Mittwoch, 9. Juni 2021

Russischer Walmart? MAGNIT Aktienanalyse



MAGNIT GDR (WKN: A0MVY2) ist einer der größten russischen Supermärkte mit über 21.500 Filialen und über 300.000 Angestellten. Sie vertreiben mittlerweile über 2.500 eigne Private-Label-Produkte und stellen diese in derzeit 17 eigenen Produktionsstätten her. 

Zu MAGNIT gehören neben den klassischen Supermärkten auch klein Convenient-Stores vergleichbar mit etwa 7-Eleven auch Superstores wie Walmart oder Kaufland. Dazu kommen über 6.000 Drogerien und ein wachsendes Online-Geschäft mit Express-Lieferungen.



Quelle: Magnit Strategy Presentation 2021


Starke Präsens in einem wachsenden Markt

Der russische Lebensmitteleinzelhandel hat sich sehr gut entwickelt aber er bietet immer noch Chancen. Nach dem Ende der Sowjetunion war Russland im Prinzip ein unbehauener Stein und es war nicht schwer zu wachsen weil es noch nirgends Supermarkt-Infrastruktur gab. Dies hat sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend geändert. Das Wachstum liegt nur noch leicht über der Inflation was für eine einsetzende Sättigung spricht.


Interessanter ist hier, dass MAGNIT in der Pole-Position steht um die nächste Phase zu dominieren, den Kampf um Marktanteile. Dabei könnten Treue-Karten und Bonusprogramme helfen und natürlich die überwältigende Marktpräsens. Es ist davon auszugehen, dass die Dominanz der stärksten Marken ähnlich wie in Deutschland oder den USA den Markt dominieren werden und durch die Konsolidierung stärker profitieren können.

Quelle: Magnit Strategy Presentation 2021


Strategisch gut aufgestellt

Die Strategie mit der MAGNIT seine Marktdominanz und die Gewinne sichern möchte ist durchdacht. Im Mittelpunkt steht die Kundenzufriedenheit und Marketingstrategien, die sich in anderen weiter fortgeschrittenen Ländern bewährt haben. Dazu gehört auch ein personalisiertes Treue-Programm.

Weiterhin soll die Marktdurchdringung gesteigert werden und ein umfassendes Eco-System rund um MAGNIT etabliert werden. Dazu gehören neben eigener App und E-Commerce auch Partnerschaften mit anderen Unternehmen und Zulieferern sowie der Ausbau eigener Produktionskapazitäten.

Die typischerweise geringen Margen im Retail-Geschäft sollen erhöht werden. Das ist zum einen sehr lohnend aber zum anderen auch sehr schwierig. MAGNIT möchte hier die Prozesse optimieren und die IT-Landschaft deutlich voran bringen. Hier macht sich die Größe positiv bemerkbar und könnte gegenüber den Mitbewerbern einen deutlichen Vorsprung einbringen.
MAGNIT hat erkannt, dass E-Supermärkte dem Kunden einen Mehrwert bringen und höhere Margen rechtfertigen. Die jüngere Generation Z in Russland bevorzugt zu 48% den Einkauf online wenn es um Lebensmittel geht.

Digitale Transformation

MAGNIT will ein "Ecosystem" von sich ergänzenden Produkten und Dienstleistungen rund um ihre Marken etablieren. Dabei sollen vor allem die digitale Transformation mit App, E-Commerce und eigenen Bezahlfunktionen helfen.

Zu den Kundenvorteilen zählen neben der eigenen Debit-Karte das umfassende Loyalitätsprogramm zur Kundenbindung wie auch die Einfachheit und Bequemlichkeit. Es soll möglich sein in der App auch Strom und Gas oder auch Gebühren und Steuern zu zahlen und zu verwalten.

Die gigantischen Datenmengen die MAGNIT damit generiert können einen unglaublichen Vorsprung liefern sofern sie effizient ausgewertet werden können. Genau das hat MAGNIT jetzt in Aussicht gestellt und will die Daten durch effizientere moderne Datenverarbeitung nutzen und schnellere Produktentwicklungen und Entscheidungsfindungen ermöglichen.

Eigenmarken und Eigenproduktion


MAGNIT hat sich zum Ziel gemacht 25% seines Umsatzes bis 2025 mit Eigenmarken zu erzielen. Damit einher geht umfassende Qualitätssicherung und bei richtiger Kommunikation eine hohe Markentreue und Vertrauen der Konsumenten. Die App soll MAGNIT dabei helfen direktes Feedback zu sammeln und somit die Produktentwicklung deutlich effizienter zu machen.


Die eigene Produktion von Lebensmitteln bietet die Chance zur weiteren vertikalen Integration mit Chance auf deutliche Gewinnsteigerungen und zur Sicherung der Lieferketten. Dabei werden in derzeit 4 landwirtschaftlichen Betrieben vor allem Gemüse wir Gurken, Tomaten, Zwiebeln oder Pilzen erzeugt. Neben Landwirtschaft betreibt man derzeit 13 Produktionsanlagen für höherwertige Lebensmittel.

Konkurrenz X5 Retail Group

Die Schwächte von MAGNIT in den letzten 3-4 Jahren hat ernste Konkurrenz heraufbeschworen. Die X5 Retail Group ist mittlerweile die größte Supermarktkette in Russland und bietet deutliches Wachstum vergleichbar mit MAGNIT. Der Unterschied zwischen beiden Unternehmen ist die Bilanz, die bei MAGNIT deutlich besser aussieht, das Wachstum von X5 wird mit höherer Verschuldung finanziert, während MAGNIT neue Aktien ausgegeben hat. Das ist zwar auch nicht schön für Aktionäre aber hat den Preis nochmal flach gehalten.


Steigende Dividendenrendite von 5,76%

Die Aktien von MAGNIT wurden als GDR (Global Depositary Receipts) in London ausgegeben mit Bezugsverhältnis 1:5. Daraus ergibt sich eine Dividende von ca. 0,83 € pro Aktie und damit eine Dividendenrendite von 5,76 % (Stand 09.06.2021).



Bewertung

MAGNIT erscheint sehr solide aufgestellt und verfügt über einen sehr hohen Cashflow. Die Verschuldung liegt im Rahmen und die Dividendenrendite üppig. 

Derzeit erleben der Aktienkurs eine Schwäche zum einen durch die generelle Schwäche des russischen Aktienmarkts, als auch durch die Verwässerung zur Finanzierung des Wachstumskurses. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei ca. 10 - was für ein wachsendes Unternehmen sehr günstig ist.

Geht man davon aus, dass sich der russische Lebensmittelhandel ähnlich verhält wie in anderen Industrienationen, kann man mit einer erfolgreichen Marktdurchdringung und sicherem Wachstum rechnen. Dafür ist die Dividende natürlich Wechselkursrisiken ausgesetzt. Wer aber ein Gegengewicht zu den USA sucht und Emerging Markets mehr zutraut als den schon deutlich überbewerteten entwickelten Ländern findet bei MAGNIT einen echten Emerging Market Walmart Ersatz.


DISCLAIMER:
Ich bin in MAGNIT investiert.
Die ist keine Anlageberatung (siehe Impressum).


Donnerstag, 20. Mai 2021

Trade Republic - Aktien handeln per App

Trade Republic - (Fast) kostenlos handeln?

Was ist Trade Republic?

  • Kostenloses Wertpapier-Depot
  • Einfache Bedienung per App
  • Sehr niedrige Gebühren von 1 Euro pro Trade
  • Einlagensicherung + BaFin-Aufsicht
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Über Trade Republic

Eine der mittlerweile bekanntesten Broker Apps am deutschen Markt bietet derzeit Trade Republic mit attraktiven Konditionen an. Ich schreibe hier über meine Erfahrung und möchte euch ermutigen Trade Republic einem eigenen Test zu unterziehen. 

Trade Republic


Wie investiert man bei Trade Republic?

Bevor Sie loslegen könnten, müssen Sie ein Konto bei Trade Republic eröffnen. Dies geht einfach per App aus App-Store bzw. Google Play Store. Die Eröffnung funktioniert einfach per Post-Ident bzw. Post-Ident-App. Man benötigt nur ein Ausweis und los gehts. 

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Zum Investieren benötigen Sie Euros auf ihrem Trade Republic Verrechnungskonto. Dies geht einfach per Überweisung. Nachdem Sie genügend Mittel auf dem Konto haben können Sie in Aktien, ETFs, Optionsscheine oder mittlerweile sogar Kryptos investieren.




Vorteile
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  • Von der BaFin reguliert
  • Wertpapiere lagern beim Broker direkt
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  • Lange Handelzeiten
  • Unkomplizierte Anmeldung
  • Kostenlose Sparpläne möglich
  • Handel von Rohstoffen
  • Handel von Kryptowährungen möglich

Nachteile
  • Bisher nur 7500 Aktien und 500 ETFs (wächst stetig)
  • Handel nur über Lang & Schwarz Exchange möglich
  • Teilweise versteckte Zusatzkosten (Eintragung ins Handelsregister bei deutschen Aktien)
  • Kundenservice verbesserungswürdig
  • App-Performance bei großem Ansturm vieler User nicht ausreichend

Freitag, 5. Februar 2021

GlaxoSmithKline Aktienanalyse: 30% Unterbewertung



GlaxoSmithKline plc (WKN 940561) ist ein Pharma-Unternehmen mit etablierten Marken im persönlichen Gesundheitsprodukte-Bereich und im Biotech-Forschungsbereich. Zu den Produkten zählen Impfstoffe, Apothekenprodukte, Nahrungsergänzungsmittel, Pharmazie und Forschung. 
Es gibt Partnerschaften mit z.B. Merck, Sanofi, CureVac und anderen. Das Unternehmen blickt auf eine Geschichte bis ins Jahr 1715 zurück und der Sitz befindet sich in England. Dies ist besonders schön, weil die Dividenden ohne Quellensteuer ausgezahlt werden.

- GSK ist sehr günstig im Vergleich mit anderen Pharma-Unternehmen

- Die Dividendenrendite mit fast 6% ist sehr attraktiv (ca. 30% Unterbewertung)

- Die Abspaltung der Gesundheitsprodukte-Sparte könnte Wertpotenziale freisetzen.

GSK plc bietet eine hohe Dividendenrendite und ist vergleichsweise günstig, verglichen mit anderen führenden Pharmazie-Unternehmen. Die Dividende ist sicher, dürfte aber leicht nach unten gehen, wenn die geplante Abspaltung 2022 durchgeführt wird. Dies dürfte jedoch ein Aufwärtspotenzial freisetzen wie bei ähnlichen Spin-offs zu beobachten war. 


Pharmabranche wächst

Im Pharmabereich ist mit Wachstum zu rechnen und GSK verfügt über ein defensives Portfolio mit einen ausgedehnten Forschungsbereich der von der Abspaltung ein leicht verringerten Dividende profitieren sollte.

In den Jahren 2016 bis 2019 haben sich Umsatz und Gewinn erhöht. Umsatz um ca. +7% und Gewinne um +72%. Die war vor allem auf die höheren Margen zurück zu führen, die sich um 30% bzw. um 60% erhöht haben im Vergleich zum Vorjahr. Corona-bedingt sind die Prognosen für das nächste Jahr jedoch erstmal nur gleichbleibend. 


Abspaltung in zwei neue Unternehmen

2020 hat GSK angekündigt bis Juli 2022 GSK in zwei neue Firmen zu spalten um Wertsteigerungspotenziale freizuschalten. Das neue GSK soll sich dabei auf den Bio-Pharma-Bereich konzentrieren mit starkem Fokus auf Forschung und Entwicklung vor allem im Bereich Immunologie, neue Technologien und Therapien. Die Sparten der Verbraucher-orientierten Gesundheitsprodukte sollen zusammen mit der entsprechenden Sparte von Pfizer in einem Join-Venture verschmolzen werden um so noch einmal Synergien frei zu setzen. 


Pharmazie

Der Bereich Pharmazie soll 2020 - 2027 mit ca. 13,7% pro Jahr wachsen. Das Portfolio von GSK profitiert dabei von Innovation als auch von etablierten Produkten.
Es wurde angekündigt, dass man sich auf neue starke Forschung und Entwicklung im Bereich Immunologie, menschlicher Genetik und die Anwendung fortschrittlicher Technologien wie KI, Zell-Therapie und funktioneller Genomik (Genfunktion und Protein-Interaktion) konzentrieren möchte.

Im Oktober 2020 hatte GSK 45 potenzielle neue Wirkstoffe/-mechanismen in seiner Pipeline mit 10 verschiedenen in Phase III (finale Phase vor Zulassung). Dies entspricht einem Zuwachs von 15% gegenüber 2019. In Q3 erreichte GSK darüber hinaus die Zulassung für drei neue Produkte: Eines im Bereich Onkologie (Krebstherapie), eines für Atemwegserkrankungen und eines für Autoimmunerkrankungen. 

Der Fokus des neuen Bio-Pharma GSK und neue Partnerschaften wie z.B. mit Orchard im Juli 2020 lassen eine Beschleunigung der Entwicklung in diesem Bereich erwarten.



Impfstoffe

Der Impfstoffmarkt soll bis 2027 um 10,7% pro Jahr wachsen und GSK ist das größte Impfstoff-Unternehmen der Welt. Zusätzlich hat man 17 Produkte in der Pipeline mit dreien in Phase III. GSK ist sehr gut positioniert um seine marktführende Stellung zu nutzen. In den Entwicklungsländern hat man einen Marktanteil von über 50%, dort macht GSK 70% seines Umsatzes in dem Bereich Impfstoffe. Gleichzeitig wächst hier die Bevölkerung und der Wohlstand am schnellsten. Gleichzeitig profitiert man von der Entwicklung neuer Impfkonzepte durch die Pandemie u.a. durch den Einfluss der WHO und Regierungen. Es ist zu erwarten, das GSK sein Wachstum fortsetzen kann.

Verschreibungsfreie Medikamente / Gesundheitsprodukte

Dieser Geschäftsbereich wird bis 2025 laut Erwartungen bis zu 9,0% pro Jahr wachsen. GSK und Pfizer formen in genau diesem Bereich ein Joint Venture mit starken Marken und sich ergänzenden Produkten. Zu nennen sind hier Sensodyne, Voltaren Panadol etc.

Gleichzeitig hält GSK hier den ersten Platz in Märkte wie USA, Indien und Deutschland. Dies sollte dem Unternehmen ermöglichen deutlich zu profitieren.

Bewertung

Der langfristige Ausblick für GSK ist fundamental sehr gut und gleichzeitig gibt es eine deutliche Unterbewertung. Dies ist Begründet durch die Unsicherheit der Abspaltung und der Ankündigung die Dividende evtl. zu Gunsten stärkerer Forschung- und Entwicklung zu verringern. Dennoch sollte eine kombinierte Dividendenrendite von 4% - 5% nicht unterschritten werden. Die derzeitige Unterbewertung wiegt dieses Risiko-Faktor mehr als auf.

Verglichen mit den Konkurrenzen wie Johnson & Johnson, Pfizer, Novarits oder Roche kommt GSK auf Platz 6 hinter Merck & Co. während GSK mit einer Unterbewertung von 50% im Gruppenvergleich deutlich hervorsticht - egal welche Kennzahl man sich anschaut. Das mittlere Kurs-Gewinn-Verhältnis von GSK liegt bei 18x. Dies lässt eine deutliche Kursperformance in den nächsten Jahren zusätzlich zur Dividende erwarten.

Risiko

Zu einer gründlichen Analyse gehört natürlich aus das Risiko - hier ist zum einen die Verschuldungssituation zu nennen, die sich jedoch in den letzten Jahren deutlich entspannt hat. 2019 stand die Verschuldung noch bei 25,2 Mrd. Pfund - 2020 Q3 konnte sie auf 23,9 Mrd. Pfund reduziert werden. Auch die Ausschüttungsquote konnte gesenkt werden. Es ist nicht mit Zahlungsproblemen seitens GSK zu rechnen.

Dennoch ist aufgrund der aktuellen Situation mit einer Unsicherheit der zukünftigen Entwicklung zu rechnen und Projekte könnten sich verzögern oder teurer werden als geplant. 

Es besteht auch ein Risiko in ein schlechtes mediales Licht gerückt zu werden durch die Versorgungsaufgaben mit dem Covid19 Impfstoff, falls es hier zu Problemen kommen sollte.

Fazit

GSK bietet aufgrund seiner defensiven Geschäftstätigkeit und niedrigen Bewertung seinen Anlegern deutliche Chancen. Fundamental sollten durch die Abspaltungspläne Wertpotenziale freigegeben werden. Der Markt reagiert mit dieser Unsicherheit jedoch mit Verkauf. Die daraus resultierende Unterbewertung muss jedoch nicht sofort umgekehrt werden. Langfristig orientierte Anleger haben hier aber klar die Zeit auf ihrer Seite - zum einen durch die starke Dividende und zum anderen aufgrund der weltweiten Wachstumsaussichten.

Offenlegung: Ich bin selbst in GlaxoSmithKline plc. investiert und plane keinen Verkauf.

Montag, 1. Februar 2021

Altria Aktienanalyse - Dividende die süchtig macht




Altria Group, Inc. (WKN 200417) produziert und vertreibt Zigaretten, rauchfreie Produkte und Wein in den USA. Es vertreibt seine Zigaretten hauptsächlich unter der weltbekannten Marke Marlboro. Zigarren werden unter der Marke Black & Mild vertrieben und die rauchfreien Produkte unter den Marken Copenhagen, Skoal, Red Seal und Husky. Es werden auch Kautabak und Nikotinpflaster angeboten. Altria produziert und vertreiben ebenfalls eine Auswahl and Tafelweinen und vertreibt über sein Netzwerk Importweine und Champagner.
Altria existiert seit 1822 und hat seinen Aktionären seitdem eine der größten Renditen am gesamten Aktienmarkt beschert.

Altria ist derzeit etwas unter Druck geraten, nachdem die Aktie 2017 extrem überbewertet war und seit dem korrigiert. Die Bewertung ist mittlerweile auf ein extrem günstiges Niveau zurückgekommen. 


Dividenden-König - seit über 51 Jahren stetig steigende Dividenden

Starker Cashflow und ein nicht-zyklisches Geschäftsmodell

Hohe Dividendenrendite (8,28% p.a.)


Altria wächst

Der Gewinn pro Aktie für 2021 wird mit $4.62 (2020: $4.49) höher erwartet. Man rechnet mit einem Wachstum zwischen 3% - 6%. Wie ist das möglich wenn doch der Zigarettenkonsum zurück geht? Margen! Altria schafft es seine Zigaretten deutlich teurer zu verkaufen und eine höhere Marge zu fahren als Konkurrenten mit schwächeren Marken. 
Das schaffen sie schon erfolgreich seit den 1970er Jahren.

Die Aktie fiel 2020 um -17,85% weil viele nicht an den Erfolg der nächsten Generation innovativer Nikotin-Produkte glauben wollten, dennoch war der Gewinn pro Aktie um 3,6% gestiegen. Produkte wie on!, IQOS und JUUL zeigen eine hohe Kundenzufriedenheit. Ein niedrigeres Gesundheitsrisiko dieser Produkte schützt Altria dabei vor zu harscher Überregulierung. Auch Ärzte haben sich mittlerweile dafür ausgesprochen und bestätigt, dass dieses Produkte Rauchern einen Ausstieg aus den schädlicheren Zigaretten ermöglichen können.
Marlboro und Black & Mild - läuft

Marlboro zeigt einen beeindruckenden Marktanteil von 43,3 %. Selbst in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit bleiben Kunden ihrer Marke treu. Das unterstreicht nochmal den krisenfesten Charakter dieses Investments. Auch die Zigarren von Black & Mild haben 15% höheren Absatz in letzten Quartal verzeichnet, +9,1% zum Vorjahr.

on! liegt im Trend

Auf "on" scheinen derzeit auch die rauchfreien Nikotin-Produkte gestellt zu sein. +27.4% Wachstum im 4. Quartal. Kaugummis und Nikotinpflaster sind gefragt. Die Produktionskapazität wird ausgebaut und auf Jahresbasis sollen 50 Mio. Einheiten ab Mitte des Jahres produziert werden können. Marktanteil für on! wächst ebenfalls stark von 1,5% auf 2,4%. 

Nikotin - immer noch begehrt    

Es scheint ein verbreiteter Glaube zu sein, dass Altria mit seinen Produkten langfristig seine Kunden verliert. Dies ist aber nicht der Fall, viele bleiben dem Nikotin treu und immer mehr Studien finden positive Effekte von Nikotin auf Stresslevel etc. 
Viele bleiben beim Dampfen und Vapen oder rauchen gelegentlich weiter.

Schwierigkeiten bei JUUL  

Der Marktanteil von JUUL ist jedoch weiter von 38% auf 36% im Schlussquartal gefallen. Für Investoren wäre hier eine Stabilisierung wünschenswert. Wenn es zu einer verschärften Regulierung für Vape-Produkte kommt ist hier eine Verbesserung zu erwarten. Altria hat gezeigt, dass man mit der FDA neue Gesetze schreiben kann, die die Marktstellung von Altria festigen. Politik ist ein schmutziges Spiel. IQOS konnte nach 4 Jahren endlich als Produkt mit "reduziertem Risiko" eingestuft werden. Das führt zu einer Reduktion von Steuern in 7 verschiedenen Staaten. Immer mehr Staaten reduzieren ihre Steuern mittlerweile - Altria weiß wie diese "Deals" macht. IQOS hat trotz der Pandemie mittlerweile über 1.000 Geschäfte eröffnet.


Altria verkauft seinen Anteil an "Becks" nicht in der Krise

Altrias Beteiligung an der größten Brauerei Anheuser-Busch InBev bleibt erhalten. Die derzeitigen Marktumstände wären sehr schlecht für einen Verkauf. Das weiß auch das Management und wird hier keine übereilten Schritte unternehmen.
Sollte sich der Biermarkt erholen wird Altria vielleicht seine Position verkaufen und das Geld in Aktienrückkäufe stecken. Das wäre auf dem derzeitigen günstigen Bewertungsniveau von Altria ein extrem kluger Schachzug und würde den Wert für die Aktionäre deutlich steigern.

Bewertung

Altria ist wie besprochen in einer guten finanziellen Situation und entwickelt sich zu einem Nikotin und Genussmittel Unternehmen. Es gibt eine deutliche Unterbewertung und selbst eine Krise kann umschifft werden. Auf diesem Niveau sehr attraktiv. 

Disclosure: Ich bin seit langem in Altria investiert und werde meine Position monatlich aufstocken solange der Kurs attraktiv bleibt.


Freitag, 15. Januar 2021

AT&T Aktienanalyse




AT&T (WKN A0HL9Z) ist das größte Telekommunikations-Unternehmen der Welt mit Sitz in den USA

Seit Juni 2018 gehört AT&T das Medien-Konglomerat WarnerMedia, was sie zum größten Medien- und Entertainment-Unternehmen (nach Umsatz) der Welt macht.

Dividenden-Aristokrat - seit über 25 Jahren stetig steigende Dividenden

Starker Cashflow und ein nicht-zyklisches Geschäftsmodell

Hohe Dividendenrendite


Cash & Schulden

AT&T überzeugt mit einem starken Cashflow auch in Zeiten von Lockdown und Coronapanik. Die Prognosen für 2021 - 2024 legen eine Stabilisierung der Gewinne nahe. Die sehr hohen Schulden konnte AT&T von $180 Mrd. Q3 2018 auf $149 Mrd. Q3 2020 senken. Der unglaublich starke und verlässliche Cashflow macht die Schulden tragbar und das Management erfüllt die Erwartungen. Für neue 5G Spektren Muss AT&T noch einmal tief in die Tasche greifen um geschätzt $14 Mrd. zusätzlich leihen. Dies sollte für AT&T jedoch kein Problem darstellen, das Kreditrating ist gut und die Zinsen sind niedrig.


Streaming Strategie

AT&T hat 2020 gezeigt, dass Sie beim Streaming all-in gehen, doch ihre Strategie stieß bisher auf keine allzu große Resonanz in den verschiedenen Hollywood-Gruppen.

Wonder Woman 1984 wurde offiziell auf HBO Max released als eine Art Test und die Abonnentenzahlen steigen daraufhin an, Investoren sehen jedoch ein gemischtes Bild.

Investoren müssen sich diese neue Strategie genau ansehen, es ist wahrscheinlich, dass die Summe der Teile größer ist. Es werden noch viele weitere Filme kommen.

Die Entscheidung alle Warner Bros. Filme auf HBO zu veröffentlichen war ein großer Schritt für die gesamte Industrie und die Corona-Maßnahmen haben das sicherlich erst möglich und notwendig gemacht. Das könnte sich zu einem Game-Changer für AT&T entwickeln und wurde als das nächste große Ding kommuniziert - was bei Investoren jedoch auf taube Ohren stieß. Der etwas holperige Start durch Probleme mit den Partnern ROKU und Amazon - die Streaming-Hardware unterstützte zum Start noch nicht HBO Max, enttäuschte. Die Abonnenten stiegen von 8 Mio. auf 12 Mio - ein blaues Auge. Es musste also etwas getan werden.

Wonder Woman 1984 war der offizielle Start der neuen Strategie - vorerst für ein Jahr. Wenn sie funktioniert wird AT&T ein ziemlich brillanter Schachzug gelungen sein - wenn nicht, eher etwas wie New Coke.

Was wir bisher wissen: Warner Bros. war beeindruckt genug um einer Fortsetzung grünes Licht zu geben. Der Film wurde von der Hälfte der zahlenden Abonnenten am Erscheinungstermin angesehen.

Auch wenn sich das nach einem großen Erfolg anhört, ist es erstmal nur Schall und Rauch. Was wirklich zählt sind die Abonnentenzahlen. Ein großer Erfolg waren 550.000 neue Downloads an dem Wochenende - aber Disney hat in der Woche 2.3 Mio. neue Downloads weltweit mit der Veröffentlichung von Souls geschafft. 

Es bleibt abzuwarten wie sich die Abonnentenzahlen 2021 entwickeln werden. 

Bewertung

AT&T ist historisch günstig bewertet und lockt mit einer Dividendenrendite über 7% (15.01.2021). Der Ausbau von 5G und dem Onlinestreaming-Dienst HBO Max sollte AT&T die Möglichkeit geben wieder langsam zu wachsen und die Schuldenlast zu reduzieren. Wenn diese Strategie aufgeht, sollte sich die Unterbewertung auflösen. Es ergibt sich ein Renditepotenzial von 50% - 70% inkl. Dividende.


Samstag, 17. März 2018

Dogs of the Dow

Die Dogs-of-the-Dow-Theorie besagt, dass wir langfrisstig mit einer höheren Rendite rechnen können als der Markt, wenn wir in die 10 Werte mit der höchsten Dividendenrendite innerhalb eines großen Index' investieren.


Langfristig schneidet man mit der "Dogs of the Dow"-Strategie aber besser ab als der Gesamtmarkt. Dies zeigt die folgende Tabelle, die die Performance (inklusive reinvestierter Dividenden) der "Dogs of the Dow"-Strategie und der verwandten "Small Dogs"-Strategie mit den wichtigsten US-Indizes für den Zeitraum 2000 bis 2016 vergleicht (Quelle: dogsofthedow.com)

Basiswert / Strategie Performance p.a.
Dogs of the Dow 8,6 %
Small Dogs of the Dow 10,4 %
Dow Jones Industrial 6,9 %
S&P 500 6,2 %

Eine Verbesserung der Strategie lässt sich noch erreichen, wenn aus den zehn ausgewählten Dividendenaktien nur die fünf Aktien gekauft werden, die rein optisch den niedrigsten Kurs aufweisen. Die absolute Höhe des Kurses dürfte für den Anlageerfolg zwar eigentlich keine Rolle spielen, aber offenbar tickt der Markt anders. Nach der „Small Dogs of the Dow“-Strategie werden aus den zehn Aktien mit der höchsten Dividendenrendite nur die fünf Aktien gekauft, die rein optisch den niedrigsten Kurs aufweisen. Mit dieser Strategie hätten Anleger von 2000 bis 2016 (inklusive Dividenden) eine jährliche Performance von 10,4 Prozent erzielt und damit den Gesamtmarkt um ganze 3,5 Prozentpunkte geschlagen.

Die aktuelle Liste der Dogs of the Dow (17.03.18) ist hier zu finden, wobei natürlich zu berücksichtigen ist, dass eigentlich immer der 1. Januar Stichtag zur umschichtung dieses Portfolios ist. Dies ist aber kein Gesetz.

Quelle: DJIA, 17.03.18


Montag, 17. Oktober 2016

[Podcast] Steigende Unsicherheit - Chancen nutzen

Steigende Unsicherheit - Chancen nutzen

Die Unsicherheit, die sich aus dem internationalen wirtschaftlichen und politischen Umfeld für Kapitalmarktanleger ergibt, steigt. Zwar sind derzeit keine unmittelbaren und offensichtlichen Rezessionsgefahren für die Weltwirtschaft zu erkennen. Jedoch gibt es eine Vielzahl von Entwicklungen, die die Aussichten für das Wirtschaftswachstum eintrüben und die noch für erhebliche Turbulenzen auf den Finanz- und Rohstoffmärkten sorgen können. Im Folgenden sei auf einige von ihnen hingewiesen.



Podcast - Ein Artikel von Prof. Dr. Thorsten Polleit gelesen von Mark Peters.


gesehen auf Goldseiten.de

Freitag, 14. Oktober 2016

Jim Rickards warnt: „Ein starker Dollar erhöht die Gefahr einer schlimmeren Finanzpanik als 2008"


 
Zwei Monate, nachdem der Dollar sich auf dem Weg nach oben gemacht hat, gibt es zusehends Turbulenzen am Aktienmarkt. Der renomierte US-Autor und Finanzexperte Jim Rickards warnt vor den massiven Folgen, sollte die Entwicklung beim Dollar weitergehen. Der Profi befürchtet, dass das Zusammenlaufen von drei Faktoren, zu einer massiven Krise führen wird. 

„Lassen Sie uns spezifische Bedrohungen für Ihr Vermögen analysieren, die sich aus folgenden Risiken ergeben: einem systemischen Kollaps, Blasen (bei Vermögenswerten) und dem Verlust des Vertrauens in die Fähigkeit der Notebenbanken, auf die Krisen zu reagieren“, schrieb Jim Rickards zuletzt.


Jeder Dollar, der neu von der Fed gedruckt worden ist, ist von den weltweiten Märkten auf 20 Dollar an neuen Schulden gehebelt worden.
Rickards hat 35 Jahre lang an der Wall Street gearbeitet und ist der Autor von Bestsellern, wie „Currency Wars: The Making of the Next Global Crisis“ (Währungskriege: das Enstehen der nächsten weltweiten Krise), veröffentlicht 2011, „The Death of Money: The Coming Collapse of the International Monetary System“ (Der Tod des Geldes: Der bevorstehende Kollaps des internationalen Geldsystems), veröffentlicht 2014, und „The New Case for Gold (Ein neues Plädoyer für Gold) von 2016.

Systemischer Kollaps

„Die Aussicht auf einen systemischen Kollaps oder wirtschaftliche Instabilität wird von einer weltweiten Dollar-Knappheit geschürt. Das hört sich erst einmal komisch an. Wie kann es eine Dollar-Knappheit geben, wenn die US-Notenbank in den vergangenen acht Jahren Billionen von neuen Dollar gedruckt hat? Die Antwort ist, dass die Dollar-Schulden noch schneller gestiegen sind, als die Dollar gedruckt worden sind.
Jeder Dollar, der neu von der Fed gedruckt worden ist, ist von den weltweiten Märkten auf 20 Dollar an neuen Schulden gehebelt worden.“ Nachdem das Gelddruckprogramm der Fed im Oktober 2014 ausgelaufen sei, gebe es kaum noch frische Dollar. „Aber die Dollar-basierten Schulden wachsen immer noch, im Ölbereich, in den Emerging Markets, und in US-Studienkrediten, Autokrediten, Kreditkarten und anderen Verbindlichkeiten. Ein stärkerer Dollar und Disinflation machen diese Schulden drückender und schwerer rückzahlbar“, schrieb Rickards. Es habe bereits Schockwellen gegeben, die von der Dollar-Knappheit ausgelöst worden seien, wie die kräftige Abwertung des chinesischen Renminbi im August 2015. „Es wird nicht lange dauern, bis ein noch größeres Erdbeben ausgelöst wird. Die Fed könnte dem entgegen steuern, indem sie mehr Geld druckt. Ich erwarte, dass die Fed tatsächlich irgendwann im Jahr 2017 das Gelddruckprogramm QE4 auflegen wird. Aber selbstverständlich verstärkt das nur die Blasen bei Vermögenswerten, die wiederum selbst eine Ursache für systemische Risiken sind.“ Von umso größerer Bedeutung ist daher die weitere Entwicklung des Dollar.

Es wird nicht lange dauern, bis ein noch größeres Erdbeben ausgelöst wird.
Die Analysten von Goldman Sachs haben zuletzt prognostiziert, dass der Euro innerhalb von sechs Monaten auf 1,04 Dollar je Euro sinken soll – sprich der Dollar soll stärker werden. In zwölf Monaten soll sogar die Parität erreicht werden, also ein Euro nur mehr ein Dollar wert sein.


EUR/USD (Euro / US-Dollar) Währung

EUR/USD (Euro / US-Dollar) Währung Chart
Kursanbieter: FXCM

Blase Bei Vermögenswerten

„Wenn Investoren fragen: „Wo ist denn die Inflation nach all dem Gelddrucken?“ antworte ich: “Schauen Sie nicht auf die Regale im Supermarkt, schauen Sie auf den Aktienmarkt.
Es gab zwar nicht viel Inflation bei Verbraucherpreisen, aber eine riesige Inflation bei den Preisen von Vermögenswerten. Das gedruckte Geld muss irgendwohin fließen.“
Die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen lägen bei 1,65 Prozent (aktuell 1,75 Prozent). Weil etliche Aktien noch Dividendenrenditen von drei bis fünf Prozent abwerfen würden, würden Finanzexperten argumentieren, dass man diese Aktien soweit nach oben treiben könne, bis die Dividendenrendite näher bei zwei Prozent liege, womit nur ein kleiner Aufschlag gegenüber den Zinsen vorhanden wäre, um für das höhere „Risiko“ der Aktien zu kompensieren. Rickards hält einen derartigen Ansatz für völlig falsch, weil er nicht berücksichtigt, warum die Zinsen auf Talfahrt seien. „Wenn die Zinsen fallen, weil die Deflation den Plan der Fed ruiniert, die Wirtschaft zu reflationieren, ist das ein Grund, weshalb Aktienkurse steigen sollten?“, schrieb Rickards.

Der Einbruch wird heftig sein, möglicherweise 30 Prozent oder mehr innerhalb weniger Monate.
Deflation bedeutet einen Rückgang der Verbraucherpreise. Das will die Fed mit allen Mitteln verhindern, weil eine Deflation angeblich dazu führen würde, dass die Unternehmen weniger Einnahmen hätten, weshalb die Wirtschaft geschwächt werden würde. Tatsächlich ist die Deflation aber nur deswegen „gefährlich“, weil bei einer Deflation die Schulden aufgewertet werden, während sie bei einer Inflation entwertet werden. „Wenn die Zinsen eine Rezession andeuten, sollte man dann die Aktienkurse auf extreme Niveaus nach oben treiben, basierend auf der Theorie einer „Parität“ (zwischen der Dividendenrendite und den Zinsen)? Dieses Verhalten widerspricht jedweder Logik und der Wirtschaftsgeschichte, aber genau das erleben wir heutzutage an den Märkten. Irgendwann, eher früher als später, wird die Realität der Unfähigkeit der Notenbanken und der aufziehenden Rezession durchdringen und die Bewertung der Aktien wird kollabieren. Der Einbruch wird heftig sein, möglicherweise 30 Prozent oder mehr innerhalb weniger Monate.“ In dem Falle wolle man nicht übergewichtet sein in Aktien. „Diese Analyse trifft auf mehr als nur Aktien zu. Es trifft auf eine lange Liste riskanter Vermögenswerte zu, einschließlich Häusern, Gewerbeimmobilien, Wertpapiere aus den Emerging Markets, Ramschanleihen und mehr. Wenn es nur einen Crash in einem Markt gibt, wird die Infektion auf alle anderen überspringen.“

Schwindendes Vertrauen In Die Notenbanken

„Schließlich kommen wir zur größten Bedrohung von allen – die Unfähigkeit der Notenbanken mit Krisen umzugehen, und der völlige Verlust des Vertrauens der Investoren in die Wirksamkeit der Geldpolitik der Notenbanken.“ In den vergangenen Jahrzehnten habe es mehrere Liquiditätskrisen gegeben, wie 1998 (ausgelöst durch die Währungskrise in den Emerging Markets, Russland und beim Hedgefonds LTCM), 2008 und 2010 (Griechenland, Zypern und der Peripherie in Europa) „In allen drei Fällen waren das Gelddrucken der Notenbanken, kombiniert mit den Rettungen durch die Länder und den Internationalen Währungsfonds (IWF) ausreichend, um wieder Ruhe herzustellen. Aber diese „Bail-outs“ haben einen hohen Preis. Die Notenbanken haben keinen Raum mehr, um bei der nächsten Krise die Zinsen zu senken oder Geld zu drucken. Die Steuerzahler begehren auf gegen noch mehr Rettungen. Die Regierungen bekommen eine zunehmende Polarisierung zu spüren und es gibt einen politischen Stillstand rund um die Welt“, schrieb Rickards. „Die Welt bewegt sich auf eine Staatsschuldenkrise zu, weil es zu viel Schulden gibt und zu wenig Wachstum… Inflation würde dazu beitragen, den realen Wert der Schulden zu verringern, aber die Notenbanken haben es nicht geschafft, Inflation zu erzeugen. Nun stehen die Notenbanken vor der Aussicht einer Rezession und mehr Deflation, ohne weitere geldpolitische Optionen, um sie zu bekämpfen.“

Die Welt bewegt sich auf eine Staatsschuldenkrise zu [...]
„Die Auswirkung der Deflation und der starke Dollar haben zu einer weltweiten Knappheit an Liquidität geführt. Weil die privaten Schulden schneller gestiegen sind als die Bilanzsummen der Notenbanken, ist eine Dollar-Knappheit entstanden, weil Schuldner händeringend nach Dollar suchen, um ihre Schulden zurückzuzahlen. Das erhöht die Gefahr einer neuen Liquiditätskrise und einer schlimmeren Finanzpanik als 2008. Anhaltend niedrige Zinsen haben keine Inflation verursacht, sondern Blasen bei Vermögenswerten, die zu platzen und selbst einen Finanzpanik auszulösen drohen – unabhängig von den verschärften Finanzbedingungen. Wenn diese Panik eintritt, (sei es wegen einer Liquiditätsknappheit oder platzender Blasen), werden Investoren kein Vertrauen in die Fähigkeit der Notenbanken haben, die Panik zu beenden.“

Montag, 25. Juli 2016

Gold, Silber, Aktien, Immobilien: Was jetzt zu tun ist, was später

Von Goldseiten.de

In der vergangenen Woche nahm ich zusammen mit anderen privaten Investoren an mehreren Diskussionen zur Anlagestrategie während der kommenden Jahre teil. Es ging um Gold und Silber, Aktien und Anleihen, Immobilien und Bargeld, Brexit-Folgen und marode italienische Banken. Also um mehr als nur die von den Mainstream-Medien üblicherweise verbreiteten Goldpreis- und Dax-Prognosen. Im Mittelpunkt stand immer wieder die Frage: Ist es jetzt sinnvoller, vorhandene Anlagen einfach durchzuhalten, ohne aktiv zu werden, oder erscheint es opportun, die häufigen Schwankungen an den Börsen zum Trading zu nutzen?

Da es sich um Diskussionen unter privaten Investoren handelte, möchte ich betonen, dass Fondsmanager mit ihrer von Grund auf anders konzipierten Anlagepolitik - rechtliche und sonstige formelle Restriktionen - außen vor blieben. Anders konzipiert, das bedeutet konkret, strengen Vorgaben zu unterliegen. Diesbezüglich verdienen private Investoren im Gegensatz zu Fondsmanagern einen dicken Pluspunkt, weil sie mit ihrem Vermögen schalten und walten können, wie sie wollen. Und um die Frage nach dem Durchhalten kontra Trading zu beantworten: Es kommt darauf an, über welche Anlagen jemand verfügt, welchem Ziel sie dienen und wie viel Zeit einschließlich Know-how zur Verfügung steht, um sie sinnvoll zu managen.

Werden wir nun anhand von Beispielen konkret. Angenommen, da sitzt jemand auf hohen Beständen an physischem Gold und Silber. Dann spricht der im Jahr 2001 begonnene, von 2011 bis 2015 unterbrochene und 2016 wieder aufgenommene Megatrend der Edelmetalle bis auf Weiteres dafür, sie zu behalten. Allerdings ohne zu vergessen, sich in einer Art Trockenübung - beobachten und recherchieren - rechtzeitig auch mit anderen Anlageklassen zu beschäftigen, vorrangig mit Aktien, um nach deren nächstem kräftigeren Kursrückgang rechtzeitig ein Gefühl dafür zu bekommen, welche dann besonders lukrativ zu sein versprechen.

Ich meine hier Aktien außerhalb des Edelmetallsektors und habe mir dazu angewöhnt, schon jetzt die relevanten Daten von mehr als 100 internationalen Aktien laufend zu verfolgen, um auf spätere Schnäppchenkäufe rechtzeitig vorbereitet zu sein.

Bisher ist ein größerer Kursrückgang der gängigen Aktien ausgeblieben. Das liegt im Wesentlichen daran, dass die EZB im Verein mit den anderen großen Notenbanken für viel Geld aus dem Nichts sorgt, also für Liquidität. Sobald sie den Geldhahn zudreht, werden Gewinnmitnahmen der Großanleger einsetzen. Zumal die andere Komponente der Aktienkursentwicklung, ein ganzes Bündel von fundamentalen Daten (Rentabilität, Kurs-Gewinn-Verhältnis, Verschuldungsgrad u.a.) dann mangels positiver Aspekte Aktienverkäufe auslösen dürfte.

Die Kurse von Gold- und Silberaktien folgen bekanntlich anderen Gesetzmäßigkeiten als die der Aktien aus Indizes wie der Dax-Familie, aus Euro Stoxx, Standard & Poor's und so weiter. Entscheidend sind vor allem die Kosten der Minen einschließlich der Hebelwirkung, die sie auf die Kurse ausüben, außerdem der Gold- und Silbergehalt des Gesteins, das man aus dem Boden holt, die Qualität (Erfahrung) der Manager und die politische Stabilität eines Landes, in dem sich die Minen befinden. Allein schon diese Faktoren sorgen für eine hohe Volatilität (starke Schwankung) der Minenaktienkurse.

Rechtfertigen sie das Trading, also rein, raus, wieder rein und wieder raus? Meine Erfahrung sagt mir: eher nein. Bevor ich damit einen Sturm der Entrüstung unter Tradern auslöse, folgt hier ein Beispiel aus der Zeit nach dem Anstieg des Goldpreises in diesem Jahr über 1200 Dollar je Feinunze, die international übliche Messlatte: erster Höhepunkt im März dieses Jahres bei 1250 Dollar, zweiter Höhepunkt im Mai bei 1280 Dollar, dann Rückgang bis 1210 Dollar und schließlich erneuter Anstieg zunächst auf 1290 und nach kurzer Pause auf 1366 Dollar, danach bis heute Schwankungen zwischen 1310 und 1330 Dollar.

Die Kurse der Minenaktien sind während dieser Zeit mitgeschwankt, die der Branchengrößen Barrick und Newmont sowie der Royalty- bzw. Streaming-Spezialisten Royal Gold und Silver Wheaton beachtlich, die der ganz heißen Aktien der Edelmetallbranche, wie DRD Gold, Sibanye oder First Majestic, sogar raketenartig. Trader hätten zwei Aufgaben lösen müssen, um bei dem kräftigen Auf und Ab der Kurse mehr Gewinn herauszuschlagen als geduldige Anleger, die - einmal eingestiegen - die Kursentwicklung einfach nur auf sich zukommen ließen: Trader mussten sowohl die richtigen Aktien als auch das richtige Timing erwischen. Da kann ich nur sagen: Viel Glück!

Das Ganze erinnert mich an die Vielzahl von Anlegern, die behaupten, mit zehn mal zehn Prozent Gewinn bessere Ergebnisse erzielen zu können als mit einmal hundert Prozent. Dabei handelt es sich um einen eklatanten Widerspruch in sich. Denn um die richtigen Aktien zu erwischen, müsste man im ersten Fall zehnmal soviel recherchieren wie im zweiten - es sei denn, die Recherchen bleiben derart oberflächlich, dass sie sich im ersten Fall jeweils nur über ein Zehntel der Zeit erstrecken.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass es sich bei den Zehn-mal-zehn-Spekulanten mit hoher Wahrscheinlichkeit um Chartisten handelt, denen zeitraubend zu recherchierende fundamentale Daten zuwider sind, dagegen bei den Ein-mal-hundert-Anlegern um Fundamentalisten, die am liebsten Bilanzen durchleuchten, Zwischenberichte studieren, die Glaubwürdigkeit von Managern testen und im Fall von Minenaktien auch schon mal vor Ort überprüfen, ob die vermeintlichen Aktiva nur aus lauter wertlosen Bohrlöchern bestehen.

Zwischenfazit: Behalten Sie bis auf Weiteres ihre Minenaktien, Ihr physisches Gold und Silber darüber hinaus. Verfolgen und recherchieren Sie die Aktienmärkte anhand einer Auswahl an sonstigen Aktien, die je nach der Zeit, die Sie sich dafür nehmen können, von einem Dutzend bis zu mehr als hundert reichen kann. Achten Sie dabei besonders auf die Geldpolitik der Notenbanken und auf die fundamentalen Daten der der Aktien.

Nun noch zu einem weiteren wichtigen Punkt: Im Zuge des enormen Zinsrückgangs während der vergangenen Jahre sind Anleger nicht allein bei der Aktienanlage übermütig geworden, vielmehr haben sie noch viel mehr in Immobilien investiert und sich damit Klumpenrisiken eingehandelt. Solange es um selbst genutzte Immobilien in guter bis bester Lage geht, ist nur wenig dagegen einzuwenden.

Doch für vermietete Objekte sieht die Rechnung anders aus: Hohe Preise, bis zu 6,5 Prozent Grunderwerbsteuer und ein Justizminister, der mittels Mietpreisbremse wohl am liebsten alle Vermieter zu potenziellen Immobilienhaien erklären möchte, lassen die Hoffnung auf nachhaltige Mietrenditen schmelzen wie Schnee in der Sonne.

Also lautet das abschließende Fazit: Neben dem kurzfristigen Trading gibt es auch ein langfristiges, und das spricht dafür, dass Sie mit Blick auf Ihre vermieteten Immobilien tabula rasa machen und zumindest einen Teil von ihnen verkaufen sollten.

© Manfred Gburek www.gburek.eu
 Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

Montag, 6. Juni 2016

Finale Vermögensvernichtung


Finale Vermögensvernichtung wird keine der 3 zinstragenden Anlageklassen (Aktien, Anleihen & Immobilien) verschonen

von Uwe Bergold

Aufgrund strukturell zu expansiver Geldpolitik, durch einen auf Dauer - planwirtschaftlich festgesetzten - zu niedrigen Zins, kam und kommt es immer wieder zu makroökonomischen Boom- und Bust-Zyklen. Der Eingriff in die Preisbildung des Geldes (Zinsentwicklung) durch die Zentralbanken, in Kombination mit dem heutigen Teilreserve-Bankensystem (Fractional-Reserve-Banking-System) der Geschäftsbanken, führt immer zu einem kreditfinanzierten übermäßigen Boom, gefolgt von einem kontrahierenden Bust (Krise). 

Seit Aufhebung des Gold-Dollar-Standards im Jahr 1971 (seitdem befindet sich die Welt in einer strukturellen Inflationierung) wird diese Kontraktion jedoch nicht mehr nominal, sondern nur mehr real sichtbar. Um diese "monetäre Illusion" der nominalen Betrachtung zu umgehen, muss eine Investitionsbewertung zwingend in Unzen Gold (Marktgeld) und nicht in EUR, USD oder YEN (Staatsgeld) vorgenommen werden. Nur gegenüber Gold wird der wahre, inflationsbereinigte Verlauf einer Anlage (auch eines Einkommens) erst sichtbar. Alle Bewertungen in beliebig vermehrbarem Papiergeld sind nur [...weiterlesen]


Mittwoch, 30. September 2015

QE4, Aktienblasen und Gold

Die US-Notenbank Federal Reserve hat die Zinsen auch bei der Sitzung und Pressekonferenz am 17. September nicht erhöht. Zuvor wurde von den Medien immer wieder die fast schon sichere Erwartung einer Zinswende verbreitet - doch es kam anders. Janet Yellen machte die jüngsten Turublenzen an der chinesischen Börse verantwortlich für die Zurückhaltung an der Zinsschraube. Dies ist natürlich nicht der Grund sondern nur ein Theater was uns hier präsentiert wird. Es wird überhaupt keine Zinserhöhung geben, denn die Stimmung ist stark getrübt - nicht nur in China, auch in den USA sieht es weitaus schlechter aus als uns die dick und fett investierten Hedgefonds und Investmentbanker vorgaukeln wollen. Die Amerikaner sind im Wohlfahrtsstaat angekommen, ein großer Teil der Bevölkerung (47 Millionen) lebt von Lebensmittelmarken, Tendenz steigend.

Auch die Holzpreise - ein wichtiger Indikator für die Baubranche - ist um 30% gefallen und fast auf dem Niveau der Finanzkrise 2008 angekommen. Die Wirtschaft brummt nicht, sie knurrt und das trotz der niedrigen Rohstoff- und Ölpreise, trotz zinsloser Kredite und trotz steigender Aktienkurse. Die Fassade die man mit frisch gedruckten Dollars erschaffen hat fängt an zu bröckeln und man muss schon verdammt blind sein um nicht zu sehen was hier vor sich geht.

Die Volksrepublik China kann jedenfalls hinter die Fassade blicken und kauft Gold langsam aber stetig - ohne zuviel Aufregung zu verursachen. Dollar werden verkauft, man will sich aus dem kommenden Abwärtstrudel des Dollar-Untergangs retten. Siehe auch Bloomberg: China Boosts Gold Reserves 1% in August, Diversifying Assets.

In Europa dagegen baut man die Goldreserven lieber vorsorglich ein bisschen ab - vielleicht gar nicht so dumm wenn man bedenkt, dass die offiziellen Goldreserven zum größten Teil in den USA lagern, seit Jahrzehnten nicht mehr kontrolliert und gezählt wurden und höchster Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr vorhanden sind. Wie ließe es sich sonst erklären dass die winzige Menge deutschen Staatsgoldes, das bisher aus den USA nach Deutschland überführt wurde, in frisch eingeschmolzenen Barren erfolgt ist. Man sollte auch hier der Wahrheit endlich ins Auge sehen, sich für die gestohlenen Barren auszahlen lassen und ein Neukauf-Programm zur Re-Etablierung der deutschen Goldsreserven beschließen. Aber Ehrlichkeit ist in diesen Tagen des Ständigen Verrats rar geworden.

Papier ist alles was bleiben wird und ganz sicher keine Zinserhöhung. Frau Yellen war es offensichtlich nicht gewohnt nun schon zum 8. Mal die Menschen vertrösten zu müssen, dass es auch diesmal keine Zinserhöhung geben wird, sie verlor vor laufenden Kameras die Kraft und musste zwischenzeitlich ärztlich versorgt werden. Dies ist viel weniger Grund zur Sorge, als mehr ein Zeichen für die Gesundheit Yellens, der es anscheinend zu schaffen macht den Menschen wieder und wieder ins Gesicht zu lügen und dieses Kasperle-Theater weiter zu führen.

Die Erhöhung der Zinsen ist schon aus dem Grund der exorbitanten Staatsverschuldung ausgeschlossen. Wie weit kann man die Zinsen erhöhen, wenn bei ein paar Prozent mehr schon der gesamte Staatshaushalt der USA durch die Zinslast aufgefressen würde? Und denken Sie lieber Leser dann erstmal an Griechenland oder Italien, die schon bei NULL Zinsen zu kämpfen haben.
Eine Zinserhöhung ist mathematisch nur dann möglich, wenn es gleichzeitig zu QE4 kommt - also dem Aufkauf der Staatsanleihen durch die Notenbank, mit anderen Worten die Finanzierung des Staates über die Druckerpresse. Und darauf steuern wir zu und genau das kennen wir Deutsche schon und haben nicht die besten Erfahrungen damit gemacht. Genau wie damals sichern und die Experten an den Schalthebeln zu, alles unter Kontrolle zu haben.

Die Kontrolle über die eigenen Finanzen sollten in der Tat aber SIE zurück gewinnen, indem Sie sich von leeren Versprechungen in Form von Euroscheinen verabschieden und harte Fakten in Form von Silber- und Goldmünzen vorziehen.

Am Aktienmarkt haben wir uns vom Jahreshoch deutlich verabschiedet. Die Kurse sind um 20 - 30% eingebrochen und sogar der langfristige Aufwärtstrend ist vermutlich ins Wanken geraten. Erstmal abwarten in welche Richtung sich die Notenbanken bewegen und sich dann richtig positionieren, werden sich viele denken. Bei einer Zinserhöhung dürften wir einen Crash sehen - zuviele Aktien wurden auf Kredit gekauft, darum sehen wir auch heftige Einbrüche der Kurse die sich aus harmlosen Korrekturen entwickeln. Die Angst ist da, Angst vor der Zinswende und den Finanzierungsschwierigkeiten großer Teile unserer heutigen Wirtschaft.

Ein Crash bietet immer auch die Möglichkeit Unternehmen zu kaufen, die nach wie vor intelligente Produkte zu erschwinglichen Preisen produzieren werden. In einer Welt der unendlichen Schulden ist Cash König und sollte neben Gold und Silber den größten Teil eines Portfolios in unseren heutigen Tagen ausmachen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihren Investments.


Montag, 3. August 2015

Die Kunst der Aktien-Wahl - Ansichten von Charlie Munger

Charlie Munger bietet nicht nur eine Fülle an nützlichen Einsichten, es ist auch unterhaltsam ihm
zuzuhören. Es folgen in diesem Artikel einige Kommentare von Munger. Ich hebe einige Kommentare hervor, von denen ich besonders beeindruckt bin.

Munger redete einige Male von einem Burggraben während des Treffens. Das erste mal zählte er einige Beispiele an ehemals erfolgreichen Unternehmen auf, die außergewöhnliche Wettbewerbsvorteile aufwiesen - aber wegen der kapitalistischen Natur in der Bedeutungslosigkeit verschwanden und gar bankrott gingen:

Das perfekte Beispiel für Darwinismus ist das, was die Technologie mit Unternehmen anstellt. Wenn jemand versucht sein bestehendes Geschäft in etwas anderes zu verwandeln - scheitert er. Im Technologiebereich ist dies besonders häufig zu beobachten. Nehmen Sie Kodak - Kodak war das weltweit dominierende Fotografie-Unternehmen weltweit. Es ging ihnen selbst während der Weltwirtschaftskrise fabelhaft, doch dann wurden die Aktionäre vom technischen Fortschritt überrascht. Oder nehmen wir General Motors, einst das bedeutendste Unternehmen der Welt - doch dann verloren die Aktionäre. Wie kann es sein, dass ein dominierendes Automobilunternehmen, ohne erwähnenswerte Konkurrenz, die Aktionäre enttäuscht? Darwinistisch gesagt - es ist schwer da draußen und der technische Fortschritt ist eines der schwersten Dinge.
Munger hielt diese Geschichte parat wenn er gefragt wurde, wie man einen Wettbewerbsvorteil - einen Burggraben identifizieren konnte:


Frage: Was ist der am wenigsten verstandene Wettbewerbsvorteil?

Munger: Sie wollen im Prinzip dass ich Ihnen die schwierige Aufgabe näher bringe, wie man Wettbewerbsvorteile identifiziert. Dies erinnert mich an eine Geschichte. Ein Mann kam zu Mozart und fragte ihn wie man eine Symphonie schreibt. Mozart antwortete: "Sie sind zu jung um eine Symphonie zu schreiben.". Der Mann sagte: "Sie haben Symphonien geschrieben als sie erst 10 Jahre alt waren und ich bin 21.", Mozart sagte: "Ja, aber ich bin nicht herumgelaufen und habe die Leute gefragt wie man das macht". 
Dies war eine interessante Antwort. Wettbewerbsvorteile sind neuerdings der letzte Schrei unter Value Investoren - besonders unter Buffet-Jüngern. Und dies ist aus gutem Grund so - unter gleichen Bedingungen bevorzugen wir ein Unternehmen mit einem Wettbewerbsvorteil (einem Burggraben). Das Problem ist, dass es ziemlich einfach ist ein Unternehmen zu finden das gut läuft. Es ist umso schwerer in die Zukunft zu sehen und festzustellen ob das Unternehmen weiterhin gut laufen wird. Die Beständigkeit solcher Burggräben ist schwieriger zu bestimmen als den Wettbewerbsvorteil an sich und die Beständigkeit ist das Wichtigste, da in den meisten Fällen eine gute Geschäftsentwicklung vom Markt bereits eingepreist wurde, was eine positive Erwartung wiederspiegelt.

Ein jeder möchte in gute Unternehmen investieren. Das Problem ist, dass sie teuer sind im Verhältnis zu Eigenkapital und Gewinnen und das verdirbt einem das Spiel. Wenn es alles wäre nur herauszufinden welches Unternehmen besser als andere ist, würde jeder einen Haufen Geld machen. Aber das ist nicht der Fall. Die Kurse erhöhen sich solange, bis sich die Gewinnchancen ändern. Mir war das immer bewusst, aber es wird immer wieder behauptet, dass der Markt so effizient wäre und niemand den Markt schlagen könne. Ich kannte Leute in Omaha, denen das gelungen war. Ich war nie auch nur in der Nähe einer Business School, also war mein Verstand nicht mit solchen Ideen belastet. Die Leute versuchen clever zu sein - alles was ich versuche ist kein Idiot zu sein, aber das ist schwerer als viele Leute glauben.
Munger zeigte in seinen Vorlesungen wie wichtig es war in Entscheidungsbäumen und Wahrscheinlichkeiten zu denken. Er bezieht sich dabei auf Ideen aus dem 17. Jahrhundert von Pierre der Fermat und Blaise Pascal - beides Mathematiker.

Im Sommer 1654 besuchte Pascal ein Freund, er war dem Glücksspiel zugetan und nicht dumm, aber er verlor regelmäßig Geld. Er wollte wissen wieso er Geld verlor obwohl er gut spielte. Dies war eine interessante Frage für Pascal und es kam zu einem längeren Briefwechsel zwischen ihm und Fermat zu diesem Thema. Sie schufen eine Säule für die moderne Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Munger ging nicht im Detail darauf, doch er zeigte wie wichtig die Idee in Wahrscheinlichkeiten zu denken. Er bezeichnete diese Fähigkeit sogar als einen der Gründe für den Erfolg Warren Buffets:

Einer der Vorteile für jemanden wie Buffet, mit dem ich all die Jahre gearbeitet habe, ist dass er automatisch Daten schon im Geiste in Entscheidungsbäume und elementare Mathematik von Permutation und Kombination verwandelt.
Doch die Hauptursache dafür 400 Jahre alte Mathematiker zu bemühen, war es zu beschreiben wie das System des "untereinander Wetten" funktioniert:

Jeder verdammte Narr kann sehen, dass ein Pferd von leichtem Gewicht, mit einer wunderbaren Siegesrate und guten Positionierungen eine viel höhere Wahrscheinlichkeit zu gewinnen aufweist, als ein Pferd mit furchtbarer Siegesrate, hohem Gewicht und schlechten Platzierungen. Aber wenn man auf die Gewinnchancen schaut, zahlt sich eine Wette auf das schlechte mit dem hundertfachen des Einsatzes aus, während das gute Pferd den Sieg nur mit der hälfte des Einsatzes belohnt. Dann ist es statistisch gesehen nicht mehr klar, welches die beste Wette ist, bemüht man das Konzept von Fermat und Pascal. 
Das "untereinander Wetten" ist also der Aktienmarkt, der es ziemlich gut schafft das Spielfeld zwischen den "hochwertigen Hengsten" und den "erschöpften Kleppern" über den Preismechanismus anzugleichen. Munger sagt ein Eisenbahnunternehmen zu einem Drittel seines Buchwertes ist nicht notwendiger Weise attraktiver als IBM zum Preis seines sechsfachen Buchwertes. Die Kursentwicklung ist natürlich nicht immer effizient und manchmal sind die "Klepper" wertvoller als der Preis für den man sie kaufen kann und manchmal kaufen die "Hengste" die "Klepper".

Die Irrtumswahrscheinlichkeit reduzieren

Ich denke die "Hengste" (die guten Unternehmen) bieten oft das geringste Risiko für ein sicheres Ergebnis - aber das ist nicht immer so. Ich dachte immer, dass die falschen Investments gemacht werden, weil bei der Bewertung falsch kalkuliert wurde. Natürlich kann sich auch herausstellen, dass ein schlechter werdendes Geschäft überbewertet wurde. Worauf ich hinaus will ist, dass wenige schwere Fehler dadurch begangen werden, weil großartige Unternehmen zu einem zu hohen Preis gekauft wurden. Manchmal passiert das - wie z.B. ein Investment in Coca-Cola 1998 oder Microsoft 2000. Die Geschäftsergebnisse beider Unternehmen waren stets gut aber die Kurse stagnierten. Aber für gewöhnlich ergibt sich aus dieser Art Fehler noch ein mittelmäßiges Ergebnis und nicht unbedingt einen Verlust von Kapital. Die großen Verluste ergeben sich dann, wenn man bei der Einschätzung des Unternehmens falsch liegt.

Ich habe festgestellt, dass ich eine Menge Zeit damit verbringe, mögliche Fehler zu reduzieren. Dies führt dazu, dass ich höherwertige Unternehmen bevorzuge. Munger und Buffet haben gezeigt, dass eine solche Herangehensweise durchaus erfolgreich sein kann. Munger sagte einmal in einer Vorlesung:

Und so begannen wir damit Grahamiten zu sein - was nebenbei bemerkt gut funktionierte - wir bekamen nach und nach das, was ich eine bessere Einsicht nennen würde. Und wird erkannten, dass einige Unternehmen die für den zwei- oder dreifachen Buchwert gehandelt wurden immer noch eine Wahnsinns-Chance bieten konnten. Das hing vom Momentum oder den außergewöhnlichen Manager-Fähigkeiten im Unternehmen ab...
Burggräben sind also wichtig, die Bewertung ist entscheidend aber in Wahrscheinlichkeiten zu denken ist ebenso sehr wichtig. Eine Bewertung wie Walmart in 10 Jahren aussehen könnte, wird vermutlich ein genaueres Ergebnis bringen als Facebook (vorhersehbarer - nicht notwendigerweise besser). Es gibt keine Sicherheiten aber es gibt Wahrscheinlichkeiten und diese sind - anders als Kartenspiele oder Würfel - steht im dynamischen Wandel. Es ist keine exakte Wissenschaft.

Was Sie versuchen sollten zu finden ist was Munger die "einfachen Entscheidungen" nennt. Die risikoarmen, sicheren Wetten. Manchmal sind es die besten Unternehmen der Welt mit bedeutenden Vorteilen, manchmal findet man sich abseits der ausgetretenen Pfade - Unternehmen die in einer besonderen Lage sind, vielleicht ohne Burggraben im klassischen Sinne aber dafür einen hohen Wert mit geringem Risiko der Abschreibungen bieten.

Ich denke was Munger wirklich sagen will - wenn ich so kühn sein darf ihm Worte in den Mund zu legen - ist dass die Identifizierung von Wettbewerbsvorteilen und Burggräben keine Wissenschaft ist und vor allem nicht leicht zu beschreiben ist an jemanden der danach fragt. Die Auswahl der richtigen Aktien ist eine Kunst. Jede Situation ist anders und jedes Unternehmen hat einen eigenen Satz an Umständen und Variablen. So sehr wir dies auch auf eine Checkliste reduzieren wollen - Investments funktionieren so nicht. Es bedarf einer gewissen Kunstfertigkeit, Ausdauer und Diziplin - zu warten, bis sich Chancen ergeben und nicht zuzuschlagen wenn man gerade einen Impuls verspürt oder Angst hat das Beste zu verpassen.

Munger präzisiert seine Aussage, als er gefragt wurde welches System der Identifikation guter Investments er nutze:

Wir suchen nach den einfachen Entscheidungen aber es gestaltet sich äußerst schwierig solche "einfachen" Entscheidungen zu finden. Wir finden gerade genug und jede hat ihre eigenen Schwierigkeiten. Also - ich habe kein System.
Es ist sicher schwieriger für Munger als für den Rest von uns. Er ist 91, er ist Milliardär und er hat viel weniger Investmentmöglichkeiten als die meisten von uns.

Aber seine Erfahrung ist sicher von Bedeutung und wir können etwas von seiner Investment-Philosophie für unsere eigene Jagd nach Möglichkeiten mitnehmen.

Montag, 25. Mai 2015

Strategie: Schweizer Sicherheit

Die Schweiz ist das wettbewerbsfähigste Land der Welt (Global Competitiveness Index, GCI, 2014), die politische Sicherheit über Jahrhunderte gewährleistet und die Währung ausgesprochen solide - fast ein sicherer Hafen. Die Staatsverschuldung liegt bei mageren 40% des BIP - zum Vergleich Deutschland: 60%, USA: 110 %.

Die Zukunft birgt Gefahren in Form der Schuldenkrise und ungeahnter Einschnitte in privaten Besitz. Inflation, Schuldenschnitt oder eine Verschärfung der Unternehmensbesteuerung. Alles Gefahren für den Anleger.

Eine Strategie die sich auf die Fakten unserer Zeit stützt ist es, eine große und relativ sichere Position schweizerischer Unternehmensbeteiligungen aufzubauen. Egal was unsere Wirtschaft trifft, die Schweiz wird es zuletzt treffen und am wenigsten beeinflussen. Daher eignen sich schweizer Unternehmen neben Gold exzellent für Investment trotz Unsicherheit.

Bargeld ist derzeit zwar noch eine Möglichkeit, durch Deflation gewinnen wir Kaufkraft und halten uns Optionen offen günstig Positionen nach einer Korrektur aufzubauen. Dies sollte auch weiterhin beibehalten werden, bis die Rahmenbedingungen sich ändern.

Dies könnte jedoch schon bald der Fall sein, wenn die staatlichen Repressionen stärker werden. Bargeldverbot ist auf der Agenda, Goldbesitz muss logischerweise ebenfalls verfolgt werden. In einem solchen Fall werden die Menschen ihr Geld in sicheren Häfen parken - und schweizer Unternehmen werden wahrscheinlich dazu gehören.

Schweizer Unternehmen die sich anbieten, sind solche die natürlicherweise zu den Besten ihrer Branche zählen, solide Finanzen aufweisen, unabhängig von der Konjunktur Gewinne erwirtschaften und diese in Form von Dividenden an die Aktionäre weitergeben.

Dazu zählt natürlich der Nahrungsmittel-Riese Nestlé, der durch eine Produktion nahe der jeweiligen Absatzmärkte vom Franken relativ unabhängig ist. Die derzeitige Korrektur kann zum Einstieg genutzt werden. Eine Rendite um die 3% ist natürlich attraktiv, wenn auch die Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 20 nicht mehr günstig ist.

Auch der Pharmakonzern Novartis gehört zu den schweizer Blue-Chips und kann mit einer Dividendenrendite von 2,8 % aufwarten. Die Bewertung ist noch im fairen Bereich mit einem KGV von 19.

Es gibt natürlich noch weitere gut aufgestellte Unternehmen, die sich eignen sichere Positionen zu bilden. Swatch, Syngenta oder Roche um nur einige zu nennen.



Montag, 11. Mai 2015

Max Otte: Ruhe bewahren, auf Value Aktien setzen.

Die Unruhe an den Aktienmärkten nimmt zu, die Kurse schwanken wie ein Kutter auf hoher See. Warum Investoren Ruhe bewahren sollten und wieso die Value-Strategie für Aktien langfristig richtig ist.

von Max Otte 

Sehr geehrte Privatanleger,

die letzten Tage waren wackelig. Auch die nach meiner Strategie geführten Fonds haben Rückgänge hinnehmen müssen. Am Anleihemarkt gab es zu Beginn des Monats heftige Kursrückgänge. Bei Ankündigung des EZB-Programms waren die Kurse massiv gestiegen (und die laufenden Renditen dementsprechend gesunken). Auch die durchaus starken Kursschwankungen - im DAX zum Beispiel von 12.300 Mitte April bis auf 11.300 am 5. Mai - zeigen uns, dass die Nervosität zunimmt.

Aber von der Nervosität sollten wir uns als langfristige Anleger frei machen. Zum einem gibt es auch immer Aktien, die sich vom Marktgeschehen abkoppeln. Viele Qualitätsunternehmen wie u. a. Fuchs Petrolub (WKN: 579043) und GrenkeLeasing (WKN: 586590) haben zum Jahreswechsel und in den ersten Monaten des Jahres noch einmal einen regelrechten Kursschub erfahren.

Fuchs Petrolub Vz Aktie

Fuchs Petrolub Vz Aktie Chart

GrenkeLeasing Aktie

GrenkeLeasing Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Zwar sind diese Titel jetzt satt bewertet, aber noch können Sie halten und einfach warten, dass die Gewinnentwicklung der Unternehmen in zwei bis drei Jahren die Kurse einholt. Bei Titeln mit erstklassiger Qualität und hohem Franchise-Charakter wächst der Innere Wert langfristig mit der Entwicklung des Unternehmens mit, dies hat unser Datenbank-Update in DER PRIVATINVESTOR erst in der aktuellen Ausgabe bei einigen Aktien in dieser Kategorie bestätigt.

Irgendwann wird es aber auch Zeit, Qualitätsunternehmen zu verkaufen. Wer 1998 bei einem KGV von 40 Coca-Cola (WKN: 850663) hatte, mit denen man "nichts falsch machen konnte", hat (in Euro) diese Höchststände noch heute nicht ganz raus. Erst 2015 näherte sich die Aktie dem alten Kurs von 1998. Wer hingegen in der Finanzkrise kaufte, konnte den Kurs zwischenzeitlich mehr als verdoppeln.

Coca-Cola 



Der Ausverkauf bei Bergbauunternehmen scheint sich gerade ins Gegenteil gekehrt zu haben. So sprang die Aktie Vale (WKN: 897998) innerhalb nur weniger Tage um mehr als 30 Prozent nach oben. Die Schwäche des Eisenerzmarktes ist noch lange nicht überwunden uns selbst auf dem jetzigen Niveau sind Rückschläge und längere Durstphasen nicht auszuschließen.

Solch zyklische Titel sind nur etwas für risikobewusste Anleger mit Sitzfleisch. Gerade erleben wir das auch bei Goldminentitel. Wenn es dann aber dreht, sind schnell große Gewinne drin.

Auf gute Investments Ihr Prof. Dr. Max Otte Prof. Dr. Max Otte ist Herausgeber des wöchentlichen Börsenbriefes DER PRIVATINVESTOR (www.privatinvestor.de) und Gründer sowie Hauptgesellschafter der IFVE Institut für Vermögensentwicklung GmbH.

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