Montag, 25. Juli 2016

Gold, Silber, Aktien, Immobilien: Was jetzt zu tun ist, was später

Von Goldseiten.de

In der vergangenen Woche nahm ich zusammen mit anderen privaten Investoren an mehreren Diskussionen zur Anlagestrategie während der kommenden Jahre teil. Es ging um Gold und Silber, Aktien und Anleihen, Immobilien und Bargeld, Brexit-Folgen und marode italienische Banken. Also um mehr als nur die von den Mainstream-Medien üblicherweise verbreiteten Goldpreis- und Dax-Prognosen. Im Mittelpunkt stand immer wieder die Frage: Ist es jetzt sinnvoller, vorhandene Anlagen einfach durchzuhalten, ohne aktiv zu werden, oder erscheint es opportun, die häufigen Schwankungen an den Börsen zum Trading zu nutzen?

Da es sich um Diskussionen unter privaten Investoren handelte, möchte ich betonen, dass Fondsmanager mit ihrer von Grund auf anders konzipierten Anlagepolitik - rechtliche und sonstige formelle Restriktionen - außen vor blieben. Anders konzipiert, das bedeutet konkret, strengen Vorgaben zu unterliegen. Diesbezüglich verdienen private Investoren im Gegensatz zu Fondsmanagern einen dicken Pluspunkt, weil sie mit ihrem Vermögen schalten und walten können, wie sie wollen. Und um die Frage nach dem Durchhalten kontra Trading zu beantworten: Es kommt darauf an, über welche Anlagen jemand verfügt, welchem Ziel sie dienen und wie viel Zeit einschließlich Know-how zur Verfügung steht, um sie sinnvoll zu managen.

Werden wir nun anhand von Beispielen konkret. Angenommen, da sitzt jemand auf hohen Beständen an physischem Gold und Silber. Dann spricht der im Jahr 2001 begonnene, von 2011 bis 2015 unterbrochene und 2016 wieder aufgenommene Megatrend der Edelmetalle bis auf Weiteres dafür, sie zu behalten. Allerdings ohne zu vergessen, sich in einer Art Trockenübung - beobachten und recherchieren - rechtzeitig auch mit anderen Anlageklassen zu beschäftigen, vorrangig mit Aktien, um nach deren nächstem kräftigeren Kursrückgang rechtzeitig ein Gefühl dafür zu bekommen, welche dann besonders lukrativ zu sein versprechen.

Ich meine hier Aktien außerhalb des Edelmetallsektors und habe mir dazu angewöhnt, schon jetzt die relevanten Daten von mehr als 100 internationalen Aktien laufend zu verfolgen, um auf spätere Schnäppchenkäufe rechtzeitig vorbereitet zu sein.

Bisher ist ein größerer Kursrückgang der gängigen Aktien ausgeblieben. Das liegt im Wesentlichen daran, dass die EZB im Verein mit den anderen großen Notenbanken für viel Geld aus dem Nichts sorgt, also für Liquidität. Sobald sie den Geldhahn zudreht, werden Gewinnmitnahmen der Großanleger einsetzen. Zumal die andere Komponente der Aktienkursentwicklung, ein ganzes Bündel von fundamentalen Daten (Rentabilität, Kurs-Gewinn-Verhältnis, Verschuldungsgrad u.a.) dann mangels positiver Aspekte Aktienverkäufe auslösen dürfte.

Die Kurse von Gold- und Silberaktien folgen bekanntlich anderen Gesetzmäßigkeiten als die der Aktien aus Indizes wie der Dax-Familie, aus Euro Stoxx, Standard & Poor's und so weiter. Entscheidend sind vor allem die Kosten der Minen einschließlich der Hebelwirkung, die sie auf die Kurse ausüben, außerdem der Gold- und Silbergehalt des Gesteins, das man aus dem Boden holt, die Qualität (Erfahrung) der Manager und die politische Stabilität eines Landes, in dem sich die Minen befinden. Allein schon diese Faktoren sorgen für eine hohe Volatilität (starke Schwankung) der Minenaktienkurse.

Rechtfertigen sie das Trading, also rein, raus, wieder rein und wieder raus? Meine Erfahrung sagt mir: eher nein. Bevor ich damit einen Sturm der Entrüstung unter Tradern auslöse, folgt hier ein Beispiel aus der Zeit nach dem Anstieg des Goldpreises in diesem Jahr über 1200 Dollar je Feinunze, die international übliche Messlatte: erster Höhepunkt im März dieses Jahres bei 1250 Dollar, zweiter Höhepunkt im Mai bei 1280 Dollar, dann Rückgang bis 1210 Dollar und schließlich erneuter Anstieg zunächst auf 1290 und nach kurzer Pause auf 1366 Dollar, danach bis heute Schwankungen zwischen 1310 und 1330 Dollar.

Die Kurse der Minenaktien sind während dieser Zeit mitgeschwankt, die der Branchengrößen Barrick und Newmont sowie der Royalty- bzw. Streaming-Spezialisten Royal Gold und Silver Wheaton beachtlich, die der ganz heißen Aktien der Edelmetallbranche, wie DRD Gold, Sibanye oder First Majestic, sogar raketenartig. Trader hätten zwei Aufgaben lösen müssen, um bei dem kräftigen Auf und Ab der Kurse mehr Gewinn herauszuschlagen als geduldige Anleger, die - einmal eingestiegen - die Kursentwicklung einfach nur auf sich zukommen ließen: Trader mussten sowohl die richtigen Aktien als auch das richtige Timing erwischen. Da kann ich nur sagen: Viel Glück!

Das Ganze erinnert mich an die Vielzahl von Anlegern, die behaupten, mit zehn mal zehn Prozent Gewinn bessere Ergebnisse erzielen zu können als mit einmal hundert Prozent. Dabei handelt es sich um einen eklatanten Widerspruch in sich. Denn um die richtigen Aktien zu erwischen, müsste man im ersten Fall zehnmal soviel recherchieren wie im zweiten - es sei denn, die Recherchen bleiben derart oberflächlich, dass sie sich im ersten Fall jeweils nur über ein Zehntel der Zeit erstrecken.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass es sich bei den Zehn-mal-zehn-Spekulanten mit hoher Wahrscheinlichkeit um Chartisten handelt, denen zeitraubend zu recherchierende fundamentale Daten zuwider sind, dagegen bei den Ein-mal-hundert-Anlegern um Fundamentalisten, die am liebsten Bilanzen durchleuchten, Zwischenberichte studieren, die Glaubwürdigkeit von Managern testen und im Fall von Minenaktien auch schon mal vor Ort überprüfen, ob die vermeintlichen Aktiva nur aus lauter wertlosen Bohrlöchern bestehen.

Zwischenfazit: Behalten Sie bis auf Weiteres ihre Minenaktien, Ihr physisches Gold und Silber darüber hinaus. Verfolgen und recherchieren Sie die Aktienmärkte anhand einer Auswahl an sonstigen Aktien, die je nach der Zeit, die Sie sich dafür nehmen können, von einem Dutzend bis zu mehr als hundert reichen kann. Achten Sie dabei besonders auf die Geldpolitik der Notenbanken und auf die fundamentalen Daten der der Aktien.

Nun noch zu einem weiteren wichtigen Punkt: Im Zuge des enormen Zinsrückgangs während der vergangenen Jahre sind Anleger nicht allein bei der Aktienanlage übermütig geworden, vielmehr haben sie noch viel mehr in Immobilien investiert und sich damit Klumpenrisiken eingehandelt. Solange es um selbst genutzte Immobilien in guter bis bester Lage geht, ist nur wenig dagegen einzuwenden.

Doch für vermietete Objekte sieht die Rechnung anders aus: Hohe Preise, bis zu 6,5 Prozent Grunderwerbsteuer und ein Justizminister, der mittels Mietpreisbremse wohl am liebsten alle Vermieter zu potenziellen Immobilienhaien erklären möchte, lassen die Hoffnung auf nachhaltige Mietrenditen schmelzen wie Schnee in der Sonne.

Also lautet das abschließende Fazit: Neben dem kurzfristigen Trading gibt es auch ein langfristiges, und das spricht dafür, dass Sie mit Blick auf Ihre vermieteten Immobilien tabula rasa machen und zumindest einen Teil von ihnen verkaufen sollten.

© Manfred Gburek www.gburek.eu
 Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

Montag, 11. Mai 2015

Superzyklus: Rohstoffe

Wir befinden uns derzeit in einer Phase wirtschaftlichen Scheins. Es scheint als würde sich die Wirtschaft erholt haben und wieder an Fahrt gewinnen. Dies ist sicher teilweise richtig, was verschwiegen wird ist, dass die Ursache für die glimpfliche Erholung die enorme Kreditmengen-Ausweitung durch die Zentralbanken ist. 

Neben dem soliden Rückgrat der Wirtschaft - also den Produkten die tatsächlich sinnvoll sind und effizient produziert werden können, existieren kranke Projekte - Güter die weder sinnvoll genutzt werden oder nicht effizient produziert werden. 

Ein Paradebeispiel für kranke Güter sind die leer stehenden, immer weiter wachsenden Immobilien-Projekte in China - aber auch in anderen Ländern. Dann nehmen wir die Internet-Start-Ups als Beispiel - übertriebene Wachstums- und Gewinnerwartungen führen zu immer absurderen Finanzierungen und Bewertungen. 

Allgemein kann man sagen, dass alle Unternehmen die mit einem großen Hebel - also einer Menge Fremdkapital in Relation zum Eigenkapital - arbeiten, bei einer Verschlechterung ihres Geschäftsfeldes Probleme bekommen werden. Branchen die derzeit besonders starke Hebel nutzen sind: Die Finanzbranche (traditionell verschwindend geringes Eigenkapital, siehe Finanzkrise), der Rohstoffsektor (verringert derzeit die Verschuldung, Markt bereinigt sich), die Versorger, Dienstleister (alles im Bereich Medien, Marketing, Fluggesellschaften und Telekommunikation).

Dilemma an den Faktormärkten

Eine gesunde Bewegung am Markt ist notwendig um das falsch investierte Kapital freizugeben. Die Fehlanreize durch die Politik haben dazu geführt, dass die falschen Projekte Ressourcen binden. Arbeitskraft, Rohstoffe und Kapitalgüter wurden teurer, weil sie von den fehlgeleiteten Investoren mit dem günstigen Geld der Zentralbank nachgefragt wurden. 

Dadurch wachsen gesunde Unternehmen schwächer und haben es schwerer bei ihrer Erholung von der Finanzkrise und folgenden Rezession. Die Erholung findet zwar statt, aber zuviel Kapital ist unwiederbringlich verloren und steckt in falschen Projekten fest. Diese Fehlinvestitionen müssen abgeschrieben werden, wenn das jeweilige Geschäft sich verschlechtert und ein weiteres aufblasen der Bilanz nicht mehr möglich ist. 

Spekulation mit geliehenem Geld

Ein weiterer Faktor der diese Rezession verschleppt, ist die Spekulation auf steigende Faktorpreise und andere Anlageklassen. Wir haben gesehen, dass der Baltic Dry Index - der Auskunft über die Frachtraten im Handelsschiffverkehr gibt - auf eine Allzeit-Tief eingebrochen ist. Die Preise für Rohstoffe sind aber nicht eingebrochen. 

Die Rohstoffe werden gekauft, aber nicht mehr bewegt. Dies ist ein Zeichen, dass Spekulation und Termingeschäfte die Preise künstlich hoch halten, mit der Hoffnung diese würden weiter steigen. Tatsächlich verhindern die hohen Preise jedoch, dass die Rezession überwunden werden kann - der hohe Preis signalisiert eine hohe Nachfrage - diese bricht jedoch vor allem in China derzeit ein. 

Das pikante ist, dass diese Spekulation vor allem durch geliehenes Geld getrieben wird. Es gibt schlicht keine besseren Möglichkeiten Investitionen zu tätigen. Tatsächlich rentable Unternehmen können sich nicht etablieren - die Faktorpreise sind einfach zu hoch. Kredite für neue Unternehmen sind schwierig und die Finanzkrise hat das Reglement verschärft. Die Banken kaufen lieber sichere Anlagen wie Rohstoffe und Immobilien oder etablierte Unternehmen am Aktienmarkt. 

Heute Deflation, morgen Inflation

Die Rohstoffpreise sind gefallen, jedoch nicht so stark wie man hätte erwarten können. Spekulanten stützen die Preise. Vielleicht ist das auch gewollt um die Deflation - die ja unmittelbar durch niedrigen Rohstoffpreise ausgelöst wird - einzudämmen. 

Die Schuldenkrise der Haushalte weltweit ist nur durch Inflation zu lösen - andernfalls droht der Bankrott. Fallende Preise verringern die Steuereinnahmen - die Schulden und die Verzinsung der Staatsanleihen bleiben aber gleich. Es droht der Bankrott falls die Preise fallen.

Dennoch sehen wir Rohstoffe auf einem unglaublich niedrigen Stand - meist direkt oder sogar unter den Förderkosten. Die Rohstoffunternehmen arbeiten hart daran ihre Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern - allen gelingt das nicht und der Markt wird bereinigt, Minen werden geschlossen, Fördertürme stillgelegt. 

Das ist vollkommen absurd - günstige Rohstoffpreise sorgen nämlich gerade für einen Aufschwung. Durch günstigere Preise kann viel mehr gekauft werden. Genau das will der Staat aber verhindert - um seine eigene Insolvenz zu verschleppen und die Gläubiger über eine hohe Inflation zu schröpfen.

Die Weichen für eine höhere Inflationsrate werden derzeit gestellt - die Anleihenblase beginnt zu platzen. Was folgen wird, kann nur eine direkte Staatsfinanzierung durch die Zentralbank sein. Griechenland erlebt im Moment, was allen Staaten bei steigenden Zinsen oder einer starken Deflation blühen würde. Die uneingeschränkte Staatsfinanzierung durch die Zentralbank würde vermutlich eine wesentlich höhere Inflation auslösen, als diese derzeit politisch gewollt ist - doch ein Umdenken hat bereits stattgefunden. 

Das Timing ist entscheidend

Was nun passiert ist fraglich - die schlechten Zahlen aus der Wirtschaft, die verschleierte Arbeitslosigkeit und die Schwierigkeiten Chinas könnten die Rohstoffpreise noch weiter einbrechen lassen. Ein Liquiditätsengpass könnte dies ebenfalls auslösen. Die Reaktion wird aber in jedem Falle die uneingeschränkte Finanzierung der Staaten und eventuell auch großer Unternehmen über direkte Anleihenkäufe der Zentralbank sein. 

Spätestens dann werden die Preise wieder steigen und vermutlich in eine starke Inflation übergehen. Rohstoffe werden dann vermutlich haussieren - denn es handelt sich um werterhaltende Substanzwerte. Auch der Aktienmarkt könnte davon profitieren - jedoch sollte man abwarten, ob es nicht zuvor zu einem Crash durch Liquiditätsknappheit kommt.

Aktien die derzeit unglaublich günstig zu haben sind und eine fast schon gehebelte Wette auf dieses Szenario darstellen, sind Rohstoff-Aktien. Edelmetalle, genau wie Industriemetalle. Unternehmen mit hohen Reserven im Boden profitieren doppelt von einer hohen Inflation.

Es ist abzuwarten, wie kommende Anleihen am Markt platziert werden können und wann die Zentralbank einschreiten muss. Griechenland könnte zum Präzedenzfall werden.

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