Mittwoch, 7. Dezember 2016

Wo bleibt die Inflation?

Früher lautete ein Eckpfeiler der makroökonomischen Lehre: „Geld drucken“ führt zu Inflation. Doch trotz einer inzwischen jahrelang andauernden „ultralockeren Geldpolitik“ der großen Notenbanken ist noch keine entscheidende Preissteigerung am Horizont zu erkennen. Warum bleibt der altbekannte Effekt aus? 

Der anscheinend bestehende Widerspruch zwischen der Geldpolitik der großen Notenbanken seit der Finanzmarktkrise und der Entwicklung der Inflationsraten zählt für viele langjährige Marktteilnehmer zu den großen Paradoxen unserer Zeit. Seit die FED im Dezember 2008 damit begonnen hat, ihre Nullzinspolitik durch den Kauf von Anleihen im großen Stil zu unterstützen ...

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Freitag, 14. Oktober 2016

Jim Rickards warnt: „Ein starker Dollar erhöht die Gefahr einer schlimmeren Finanzpanik als 2008"


 
Zwei Monate, nachdem der Dollar sich auf dem Weg nach oben gemacht hat, gibt es zusehends Turbulenzen am Aktienmarkt. Der renomierte US-Autor und Finanzexperte Jim Rickards warnt vor den massiven Folgen, sollte die Entwicklung beim Dollar weitergehen. Der Profi befürchtet, dass das Zusammenlaufen von drei Faktoren, zu einer massiven Krise führen wird. 

„Lassen Sie uns spezifische Bedrohungen für Ihr Vermögen analysieren, die sich aus folgenden Risiken ergeben: einem systemischen Kollaps, Blasen (bei Vermögenswerten) und dem Verlust des Vertrauens in die Fähigkeit der Notebenbanken, auf die Krisen zu reagieren“, schrieb Jim Rickards zuletzt.


Jeder Dollar, der neu von der Fed gedruckt worden ist, ist von den weltweiten Märkten auf 20 Dollar an neuen Schulden gehebelt worden.
Rickards hat 35 Jahre lang an der Wall Street gearbeitet und ist der Autor von Bestsellern, wie „Currency Wars: The Making of the Next Global Crisis“ (Währungskriege: das Enstehen der nächsten weltweiten Krise), veröffentlicht 2011, „The Death of Money: The Coming Collapse of the International Monetary System“ (Der Tod des Geldes: Der bevorstehende Kollaps des internationalen Geldsystems), veröffentlicht 2014, und „The New Case for Gold (Ein neues Plädoyer für Gold) von 2016.

Systemischer Kollaps

„Die Aussicht auf einen systemischen Kollaps oder wirtschaftliche Instabilität wird von einer weltweiten Dollar-Knappheit geschürt. Das hört sich erst einmal komisch an. Wie kann es eine Dollar-Knappheit geben, wenn die US-Notenbank in den vergangenen acht Jahren Billionen von neuen Dollar gedruckt hat? Die Antwort ist, dass die Dollar-Schulden noch schneller gestiegen sind, als die Dollar gedruckt worden sind.
Jeder Dollar, der neu von der Fed gedruckt worden ist, ist von den weltweiten Märkten auf 20 Dollar an neuen Schulden gehebelt worden.“ Nachdem das Gelddruckprogramm der Fed im Oktober 2014 ausgelaufen sei, gebe es kaum noch frische Dollar. „Aber die Dollar-basierten Schulden wachsen immer noch, im Ölbereich, in den Emerging Markets, und in US-Studienkrediten, Autokrediten, Kreditkarten und anderen Verbindlichkeiten. Ein stärkerer Dollar und Disinflation machen diese Schulden drückender und schwerer rückzahlbar“, schrieb Rickards. Es habe bereits Schockwellen gegeben, die von der Dollar-Knappheit ausgelöst worden seien, wie die kräftige Abwertung des chinesischen Renminbi im August 2015. „Es wird nicht lange dauern, bis ein noch größeres Erdbeben ausgelöst wird. Die Fed könnte dem entgegen steuern, indem sie mehr Geld druckt. Ich erwarte, dass die Fed tatsächlich irgendwann im Jahr 2017 das Gelddruckprogramm QE4 auflegen wird. Aber selbstverständlich verstärkt das nur die Blasen bei Vermögenswerten, die wiederum selbst eine Ursache für systemische Risiken sind.“ Von umso größerer Bedeutung ist daher die weitere Entwicklung des Dollar.

Es wird nicht lange dauern, bis ein noch größeres Erdbeben ausgelöst wird.
Die Analysten von Goldman Sachs haben zuletzt prognostiziert, dass der Euro innerhalb von sechs Monaten auf 1,04 Dollar je Euro sinken soll – sprich der Dollar soll stärker werden. In zwölf Monaten soll sogar die Parität erreicht werden, also ein Euro nur mehr ein Dollar wert sein.


EUR/USD (Euro / US-Dollar) Währung

EUR/USD (Euro / US-Dollar) Währung Chart
Kursanbieter: FXCM

Blase Bei Vermögenswerten

„Wenn Investoren fragen: „Wo ist denn die Inflation nach all dem Gelddrucken?“ antworte ich: “Schauen Sie nicht auf die Regale im Supermarkt, schauen Sie auf den Aktienmarkt.
Es gab zwar nicht viel Inflation bei Verbraucherpreisen, aber eine riesige Inflation bei den Preisen von Vermögenswerten. Das gedruckte Geld muss irgendwohin fließen.“
Die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen lägen bei 1,65 Prozent (aktuell 1,75 Prozent). Weil etliche Aktien noch Dividendenrenditen von drei bis fünf Prozent abwerfen würden, würden Finanzexperten argumentieren, dass man diese Aktien soweit nach oben treiben könne, bis die Dividendenrendite näher bei zwei Prozent liege, womit nur ein kleiner Aufschlag gegenüber den Zinsen vorhanden wäre, um für das höhere „Risiko“ der Aktien zu kompensieren. Rickards hält einen derartigen Ansatz für völlig falsch, weil er nicht berücksichtigt, warum die Zinsen auf Talfahrt seien. „Wenn die Zinsen fallen, weil die Deflation den Plan der Fed ruiniert, die Wirtschaft zu reflationieren, ist das ein Grund, weshalb Aktienkurse steigen sollten?“, schrieb Rickards.

Der Einbruch wird heftig sein, möglicherweise 30 Prozent oder mehr innerhalb weniger Monate.
Deflation bedeutet einen Rückgang der Verbraucherpreise. Das will die Fed mit allen Mitteln verhindern, weil eine Deflation angeblich dazu führen würde, dass die Unternehmen weniger Einnahmen hätten, weshalb die Wirtschaft geschwächt werden würde. Tatsächlich ist die Deflation aber nur deswegen „gefährlich“, weil bei einer Deflation die Schulden aufgewertet werden, während sie bei einer Inflation entwertet werden. „Wenn die Zinsen eine Rezession andeuten, sollte man dann die Aktienkurse auf extreme Niveaus nach oben treiben, basierend auf der Theorie einer „Parität“ (zwischen der Dividendenrendite und den Zinsen)? Dieses Verhalten widerspricht jedweder Logik und der Wirtschaftsgeschichte, aber genau das erleben wir heutzutage an den Märkten. Irgendwann, eher früher als später, wird die Realität der Unfähigkeit der Notenbanken und der aufziehenden Rezession durchdringen und die Bewertung der Aktien wird kollabieren. Der Einbruch wird heftig sein, möglicherweise 30 Prozent oder mehr innerhalb weniger Monate.“ In dem Falle wolle man nicht übergewichtet sein in Aktien. „Diese Analyse trifft auf mehr als nur Aktien zu. Es trifft auf eine lange Liste riskanter Vermögenswerte zu, einschließlich Häusern, Gewerbeimmobilien, Wertpapiere aus den Emerging Markets, Ramschanleihen und mehr. Wenn es nur einen Crash in einem Markt gibt, wird die Infektion auf alle anderen überspringen.“

Schwindendes Vertrauen In Die Notenbanken

„Schließlich kommen wir zur größten Bedrohung von allen – die Unfähigkeit der Notenbanken mit Krisen umzugehen, und der völlige Verlust des Vertrauens der Investoren in die Wirksamkeit der Geldpolitik der Notenbanken.“ In den vergangenen Jahrzehnten habe es mehrere Liquiditätskrisen gegeben, wie 1998 (ausgelöst durch die Währungskrise in den Emerging Markets, Russland und beim Hedgefonds LTCM), 2008 und 2010 (Griechenland, Zypern und der Peripherie in Europa) „In allen drei Fällen waren das Gelddrucken der Notenbanken, kombiniert mit den Rettungen durch die Länder und den Internationalen Währungsfonds (IWF) ausreichend, um wieder Ruhe herzustellen. Aber diese „Bail-outs“ haben einen hohen Preis. Die Notenbanken haben keinen Raum mehr, um bei der nächsten Krise die Zinsen zu senken oder Geld zu drucken. Die Steuerzahler begehren auf gegen noch mehr Rettungen. Die Regierungen bekommen eine zunehmende Polarisierung zu spüren und es gibt einen politischen Stillstand rund um die Welt“, schrieb Rickards. „Die Welt bewegt sich auf eine Staatsschuldenkrise zu, weil es zu viel Schulden gibt und zu wenig Wachstum… Inflation würde dazu beitragen, den realen Wert der Schulden zu verringern, aber die Notenbanken haben es nicht geschafft, Inflation zu erzeugen. Nun stehen die Notenbanken vor der Aussicht einer Rezession und mehr Deflation, ohne weitere geldpolitische Optionen, um sie zu bekämpfen.“

Die Welt bewegt sich auf eine Staatsschuldenkrise zu [...]
„Die Auswirkung der Deflation und der starke Dollar haben zu einer weltweiten Knappheit an Liquidität geführt. Weil die privaten Schulden schneller gestiegen sind als die Bilanzsummen der Notenbanken, ist eine Dollar-Knappheit entstanden, weil Schuldner händeringend nach Dollar suchen, um ihre Schulden zurückzuzahlen. Das erhöht die Gefahr einer neuen Liquiditätskrise und einer schlimmeren Finanzpanik als 2008. Anhaltend niedrige Zinsen haben keine Inflation verursacht, sondern Blasen bei Vermögenswerten, die zu platzen und selbst einen Finanzpanik auszulösen drohen – unabhängig von den verschärften Finanzbedingungen. Wenn diese Panik eintritt, (sei es wegen einer Liquiditätsknappheit oder platzender Blasen), werden Investoren kein Vertrauen in die Fähigkeit der Notenbanken haben, die Panik zu beenden.“

Montag, 25. Juli 2016

Gold, Silber, Aktien, Immobilien: Was jetzt zu tun ist, was später

Von Goldseiten.de

In der vergangenen Woche nahm ich zusammen mit anderen privaten Investoren an mehreren Diskussionen zur Anlagestrategie während der kommenden Jahre teil. Es ging um Gold und Silber, Aktien und Anleihen, Immobilien und Bargeld, Brexit-Folgen und marode italienische Banken. Also um mehr als nur die von den Mainstream-Medien üblicherweise verbreiteten Goldpreis- und Dax-Prognosen. Im Mittelpunkt stand immer wieder die Frage: Ist es jetzt sinnvoller, vorhandene Anlagen einfach durchzuhalten, ohne aktiv zu werden, oder erscheint es opportun, die häufigen Schwankungen an den Börsen zum Trading zu nutzen?

Da es sich um Diskussionen unter privaten Investoren handelte, möchte ich betonen, dass Fondsmanager mit ihrer von Grund auf anders konzipierten Anlagepolitik - rechtliche und sonstige formelle Restriktionen - außen vor blieben. Anders konzipiert, das bedeutet konkret, strengen Vorgaben zu unterliegen. Diesbezüglich verdienen private Investoren im Gegensatz zu Fondsmanagern einen dicken Pluspunkt, weil sie mit ihrem Vermögen schalten und walten können, wie sie wollen. Und um die Frage nach dem Durchhalten kontra Trading zu beantworten: Es kommt darauf an, über welche Anlagen jemand verfügt, welchem Ziel sie dienen und wie viel Zeit einschließlich Know-how zur Verfügung steht, um sie sinnvoll zu managen.

Werden wir nun anhand von Beispielen konkret. Angenommen, da sitzt jemand auf hohen Beständen an physischem Gold und Silber. Dann spricht der im Jahr 2001 begonnene, von 2011 bis 2015 unterbrochene und 2016 wieder aufgenommene Megatrend der Edelmetalle bis auf Weiteres dafür, sie zu behalten. Allerdings ohne zu vergessen, sich in einer Art Trockenübung - beobachten und recherchieren - rechtzeitig auch mit anderen Anlageklassen zu beschäftigen, vorrangig mit Aktien, um nach deren nächstem kräftigeren Kursrückgang rechtzeitig ein Gefühl dafür zu bekommen, welche dann besonders lukrativ zu sein versprechen.

Ich meine hier Aktien außerhalb des Edelmetallsektors und habe mir dazu angewöhnt, schon jetzt die relevanten Daten von mehr als 100 internationalen Aktien laufend zu verfolgen, um auf spätere Schnäppchenkäufe rechtzeitig vorbereitet zu sein.

Bisher ist ein größerer Kursrückgang der gängigen Aktien ausgeblieben. Das liegt im Wesentlichen daran, dass die EZB im Verein mit den anderen großen Notenbanken für viel Geld aus dem Nichts sorgt, also für Liquidität. Sobald sie den Geldhahn zudreht, werden Gewinnmitnahmen der Großanleger einsetzen. Zumal die andere Komponente der Aktienkursentwicklung, ein ganzes Bündel von fundamentalen Daten (Rentabilität, Kurs-Gewinn-Verhältnis, Verschuldungsgrad u.a.) dann mangels positiver Aspekte Aktienverkäufe auslösen dürfte.

Die Kurse von Gold- und Silberaktien folgen bekanntlich anderen Gesetzmäßigkeiten als die der Aktien aus Indizes wie der Dax-Familie, aus Euro Stoxx, Standard & Poor's und so weiter. Entscheidend sind vor allem die Kosten der Minen einschließlich der Hebelwirkung, die sie auf die Kurse ausüben, außerdem der Gold- und Silbergehalt des Gesteins, das man aus dem Boden holt, die Qualität (Erfahrung) der Manager und die politische Stabilität eines Landes, in dem sich die Minen befinden. Allein schon diese Faktoren sorgen für eine hohe Volatilität (starke Schwankung) der Minenaktienkurse.

Rechtfertigen sie das Trading, also rein, raus, wieder rein und wieder raus? Meine Erfahrung sagt mir: eher nein. Bevor ich damit einen Sturm der Entrüstung unter Tradern auslöse, folgt hier ein Beispiel aus der Zeit nach dem Anstieg des Goldpreises in diesem Jahr über 1200 Dollar je Feinunze, die international übliche Messlatte: erster Höhepunkt im März dieses Jahres bei 1250 Dollar, zweiter Höhepunkt im Mai bei 1280 Dollar, dann Rückgang bis 1210 Dollar und schließlich erneuter Anstieg zunächst auf 1290 und nach kurzer Pause auf 1366 Dollar, danach bis heute Schwankungen zwischen 1310 und 1330 Dollar.

Die Kurse der Minenaktien sind während dieser Zeit mitgeschwankt, die der Branchengrößen Barrick und Newmont sowie der Royalty- bzw. Streaming-Spezialisten Royal Gold und Silver Wheaton beachtlich, die der ganz heißen Aktien der Edelmetallbranche, wie DRD Gold, Sibanye oder First Majestic, sogar raketenartig. Trader hätten zwei Aufgaben lösen müssen, um bei dem kräftigen Auf und Ab der Kurse mehr Gewinn herauszuschlagen als geduldige Anleger, die - einmal eingestiegen - die Kursentwicklung einfach nur auf sich zukommen ließen: Trader mussten sowohl die richtigen Aktien als auch das richtige Timing erwischen. Da kann ich nur sagen: Viel Glück!

Das Ganze erinnert mich an die Vielzahl von Anlegern, die behaupten, mit zehn mal zehn Prozent Gewinn bessere Ergebnisse erzielen zu können als mit einmal hundert Prozent. Dabei handelt es sich um einen eklatanten Widerspruch in sich. Denn um die richtigen Aktien zu erwischen, müsste man im ersten Fall zehnmal soviel recherchieren wie im zweiten - es sei denn, die Recherchen bleiben derart oberflächlich, dass sie sich im ersten Fall jeweils nur über ein Zehntel der Zeit erstrecken.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass es sich bei den Zehn-mal-zehn-Spekulanten mit hoher Wahrscheinlichkeit um Chartisten handelt, denen zeitraubend zu recherchierende fundamentale Daten zuwider sind, dagegen bei den Ein-mal-hundert-Anlegern um Fundamentalisten, die am liebsten Bilanzen durchleuchten, Zwischenberichte studieren, die Glaubwürdigkeit von Managern testen und im Fall von Minenaktien auch schon mal vor Ort überprüfen, ob die vermeintlichen Aktiva nur aus lauter wertlosen Bohrlöchern bestehen.

Zwischenfazit: Behalten Sie bis auf Weiteres ihre Minenaktien, Ihr physisches Gold und Silber darüber hinaus. Verfolgen und recherchieren Sie die Aktienmärkte anhand einer Auswahl an sonstigen Aktien, die je nach der Zeit, die Sie sich dafür nehmen können, von einem Dutzend bis zu mehr als hundert reichen kann. Achten Sie dabei besonders auf die Geldpolitik der Notenbanken und auf die fundamentalen Daten der der Aktien.

Nun noch zu einem weiteren wichtigen Punkt: Im Zuge des enormen Zinsrückgangs während der vergangenen Jahre sind Anleger nicht allein bei der Aktienanlage übermütig geworden, vielmehr haben sie noch viel mehr in Immobilien investiert und sich damit Klumpenrisiken eingehandelt. Solange es um selbst genutzte Immobilien in guter bis bester Lage geht, ist nur wenig dagegen einzuwenden.

Doch für vermietete Objekte sieht die Rechnung anders aus: Hohe Preise, bis zu 6,5 Prozent Grunderwerbsteuer und ein Justizminister, der mittels Mietpreisbremse wohl am liebsten alle Vermieter zu potenziellen Immobilienhaien erklären möchte, lassen die Hoffnung auf nachhaltige Mietrenditen schmelzen wie Schnee in der Sonne.

Also lautet das abschließende Fazit: Neben dem kurzfristigen Trading gibt es auch ein langfristiges, und das spricht dafür, dass Sie mit Blick auf Ihre vermieteten Immobilien tabula rasa machen und zumindest einen Teil von ihnen verkaufen sollten.

© Manfred Gburek www.gburek.eu
 Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

Dienstag, 5. Juli 2016

Andy Hoffman - Historischer Brandherd!

Andy Hoffman von Miles Franklin sprach im Interview mit SGT Report jüngst ausführlich über die aktuelle Lage an den Finanzmärkten. Zu den Themen des Gesprächs gehören die Reaktion von Gold, Silber und des Britischen Pfunds auf den Ausgang des Brexit-Referendums, die Entwicklungen an der Comex und die Zinspolitik der Zentralbanken.

Weiterhin geht der Finanzexperte auf die missliche Lage der Banken ein, allen voran der Deutschen Bank, die er als 'Lehman Europas' bezeichnet. "Wir befinden uns an einem historischen Siedepunkt. […] Es existiert buchstäblich nur noch ein winzig kleines Zeitfenster für die Menschen, sich zu schützen, bevor die Hölle ausbricht."


Montag, 6. Juni 2016

Finale Vermögensvernichtung


Finale Vermögensvernichtung wird keine der 3 zinstragenden Anlageklassen (Aktien, Anleihen & Immobilien) verschonen

von Uwe Bergold

Aufgrund strukturell zu expansiver Geldpolitik, durch einen auf Dauer - planwirtschaftlich festgesetzten - zu niedrigen Zins, kam und kommt es immer wieder zu makroökonomischen Boom- und Bust-Zyklen. Der Eingriff in die Preisbildung des Geldes (Zinsentwicklung) durch die Zentralbanken, in Kombination mit dem heutigen Teilreserve-Bankensystem (Fractional-Reserve-Banking-System) der Geschäftsbanken, führt immer zu einem kreditfinanzierten übermäßigen Boom, gefolgt von einem kontrahierenden Bust (Krise). 

Seit Aufhebung des Gold-Dollar-Standards im Jahr 1971 (seitdem befindet sich die Welt in einer strukturellen Inflationierung) wird diese Kontraktion jedoch nicht mehr nominal, sondern nur mehr real sichtbar. Um diese "monetäre Illusion" der nominalen Betrachtung zu umgehen, muss eine Investitionsbewertung zwingend in Unzen Gold (Marktgeld) und nicht in EUR, USD oder YEN (Staatsgeld) vorgenommen werden. Nur gegenüber Gold wird der wahre, inflationsbereinigte Verlauf einer Anlage (auch eines Einkommens) erst sichtbar. Alle Bewertungen in beliebig vermehrbarem Papiergeld sind nur [...weiterlesen]


Sonntag, 11. Oktober 2015

Deutsche Bank - ein Lehman 2.0 Szenario?

Die Deutsche Bank steckt in Schwierigkeiten und das nicht erst, seit am Mittwoch erneut ein Milliardenverlust gemeldet wurde. Wegen hoher Abschreibungen etwa im Privatkunden- und Investmentbanking-Geschäft wird Deutschlands wichtigstes Geldhaus im dritten Quartal einen Nettoverlust von 6,2 Milliarden Euro ausweisen. Parallelen zur Pleite der großen Investmentbank Lehman Brothers 2008 in den USA werden deutlich.

Am offensichtlichsten war die Herabstufung durch die Ratingagentur Fitch, die Lehman Brothers am 9. Juni 2008 ein AA- mit negativem Ausblick verpasste. Danach ging alles ganz schnell, nur drei Monate später fuhr Lehman mit Karacho gegen die Wand. Die Folgen sind bekannt. Auf den Tag genau sieben Jahre später stuft nun Standard & Poor’s am 9. Juni die Deutsche Bank herunter. Das neue Rating lautet BBB+ – das ist sogar noch schlechter als Lehman seinerzeit bewertet wurde.

Die Deutsche Bank hat eine ganze Reihe an Fehlschlägen hinter sich, nicht zuletzt die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Euro die für die Manipulation der Libor-Zinssätze gezahlt werden musste, es stehen über 6000 weitere Rechtsstreitigkeiten an, für die Rückstellungen gebildet werden müssen.

Hinzu kommt, dass die Deutsche Bank die auferlegten Stresstests nicht bestanden hat und daher die Eigenkapitalquote erhöhen muss. Das ist für eine Bank immer eine unangenehme Sache, denn Eigenkapital lässt sich nicht per Knopfdruck erhöhen sondern muss mühsam erwirtschaftet werden mit tatsächlichen realisierten Gewinnen und keinen Gewinnen aufgrund überschwänglicher Bewertungen der eigenen Bilanzpositionen.

Immerhin konnte das Griechenland-Risiko reduziert werden, so dass ein mögliches Grexit-Szenario hier nicht direkt die deutsche Bank gefährdet, wohl aber eine Gefahr darstellt. die durch übergreifende Kreditausfälle französischer oder britischer Banken die Existenz der deutschen Bank bedroht.

Schauen wir uns aber mal das Risiko für die gesamte Finanzwelt und das Finanzsystem an, das sich in den Büchern der Deutschen Bank verbirgt. Da sehen wir sagenhafte 52 Billionen Euro an ungesicherten Derivaten - über 50% höher als bei Lehman Brothers.

Abb. 1 Vergleich BIP mit Deutsche Bank Derivaten

Wenn dieses schwarze Loch in Berührung mit der Realität kommen sollte, haben wir definitiv ein Lehman 2.0 made in Germany. In Abb. 1 sehen Sie die schiere Dimension in der sich die Deutsche Bank bewegt. Ein kleiner Schnupfen könnte ausreichen um den Luftballon aus Derivaten zum Platzen zu bringen. Wie soll eine Rettung aussehen wenn selbst die gesamte Eurozone nur einen Bruchteil der Summe erwirtschaftet die von der deutschen Bank da angehäuft wurden?

Dazu kommt, dass seit der Lehman Pleite die Staatsschulden explodiert sind - das Niveau ist bereits sehr hoch - das Maß ist voll.

Eine weitere Pleite dieser Dimension hätte katastrophale Folgen für alle Gläubiger - ein Bail-Out ist nicht zu erwarten - nicht weil die Politiker plötzlich Vernunft annehmen, sie können es ganz einfach nicht mehr finanzieren.

Dafür spricht auch die Einführung sog. Bail-In-Gesetze die ab dem 1. Januar 2016 gelten werden. Sie schreiben vor, dass bei der Abwicklung insolventer Banken die Kundeneinlagen zuerst bedient werden und Gläubiger der Derivat- und Investmentprodukte nachrangig bedient werden. Aber auch die Spareinlagen der Kunden können nur bedient werden, wenn noch etwas da ist, was ausgezahlt werden kann. Der Sparer haftet demnach auch für die Schulden seiner Bank.
In Deutschland gilt dieses Gesetz bereits seit dem 1. Januar 2015 - man wollte hier offensichtlich kein Risiko eingehen.

Das wir eine große Veränderung in unserem Finanzsystem spüren werden ist sicher - wann und wie es dann passiert ist noch nicht klar. Dazu passt auch, dass Goldman Sachs physisches Gold kauft. Auch JP Morgan soll ungeheure Mengen physischer Silberunzen gekauft haben - der Markt für US Silver Eagle (Silber Anlagemünzen) ist wie leer gefegt.

Es kommt etwas, die Gesetze werden nicht zum Spaß beschlossen und ganz sicher nicht für den Wahlkampf - denn hier ist die Enteignung der Sparer beschlossen. Solche Gesetze macht man für den Notstand.

Hoffen wir auf das Beste und bereiten uns auf das schlimmste vor.


Freitag, 8. Mai 2015

Die vier apokalyptischen Reiter der globalen Verschuldungskrise

Es gibt eine allgemeine Lebensweisheit, die besagt, dass jede dritte Generation wieder von vorne beginnt. Bei einem durchschnittlichen Generationenabstand von zirka 25 Jahren, kommt man bei drei Generationen (Großeltern, Eltern, Kinder) auf etwa 75 Jahre. Also in jedem siebten Jahrzehnt ("Sabbat-Jahrzehnt") kommt es zu politischen und wirtschaftlichen Ereignissen, die dazu führen, dass das Publikum massive Vermögensverluste erleidet ("Massenenteignung").

 Wir beschäftigten uns mit diesem finanzhistorischen Phänomen...

Donnerstag, 16. April 2015

Superreiche, Aufgeklärte und der Rest: Warum wir in einer Dreiklassenfinanzwelt leben

Seinen Job ordentlich machen, Leistung bringen und nicht sofort nach dem Mehrerlös schielen - das sollte eigentlich für alle Berufe gelten. Leider ist diese Haltung in der Finanzbranche immer seltener.

von Max Otte

Sehr geehrte Privatanleger,

bei einem Arzt in der Eifel hörte ich den folgenden Spruch: "Bei uns haben Privatpatienten den Anspruch auf eine mindestens genauso gute Behandlung wie Kassenpatienten." Das fand ich klasse. Hier spricht noch das Berufsethos, das Deutschland vor über 100 Jahren zur dynamischsten Volkswirtschaft der Welt gemacht hat. Seinen Job ordentlich machen. Leistung bringen und nicht sofort nach dem Mehrerlös schielen.

Was im Arztberuf besonders wichtig und auch ethisch richtig ist, sollte auch für viele andere Berufe gelten. Leider ist diese Haltung in der Finanzbranche immer seltener. Für sicher weit mehr als die Hälfte aller Deutschen ist seriöse Aktien- und selbst Aktienfondsberatung so gut wie nicht gegeben. Sie befinden sich also in der Situation von Patienten, die bestenfalls noch ärztliche Notversorgung erhalten.

Die meisten sonst von mir durchaus gelobten Volks- und Raiffeisenbanken und Sparkassen bieten lieber Hausprodukte an, als ihren Kunden einen wirklich objektiven Überblick über Aktienfonds zu geben. Von den ca. 1.200 Volks- und Raiffeisenbanken haben nur ungefähr 200 Fremdprodukte im Programm.

Auf die Beratung mit Einzeltiteln haben die meisten Filialbanken sowieso verzichtet. Zu kompliziert sind die Protokollpflichten, zu schnell nehmen die neuen Regeln die Berater in die Haftung.

Ein Vertriebsberater, der sich seit mehr als 25 Jahren im Aktienfondsbereich tummelt, resümiert: "Aktienfonds sind in Deutschland weiter ein Nischenprodukt. Die Leute machen Lebensversicherungen und Bausparverträge."

So wie wir faktisch schon vielerorts eine Zweiklassenmedizin haben, so haben wir auch eine Zwei- oder sogar Dreiklassenfinanzwelt. Die Superreichen lassen alles für sich machen. Die aufgeklärten mit etwas Vermögen können zumindest selbst noch sehen, wo sie bleiben. Hierzu rechne ich die meisten von Ihnen. Und die breite Masse fällt nach wie vor unten durch.

Ich hatte gehofft, in fünfzehn Jahren öffentlicher Auftritte hier an einer Veränderung mitwirken zu können und muss feststellen, dass sich für die breite Mehrheit nichts verändert hat.

Für Sie jedoch kann ich meinen Job ordentlich machen.

Auf gute Investments,

Ihr Prof. Dr. Max Otte


Und auch wir versuchen unseren Job gut zu machen, indem wir Sie informieren und wertvolles Wissen für die Geldanlage in Substanzwerte liefern. Wer versteht wie die Finanzwelt funktioniert, kann sein vermögen schützen und seinen Wohlstand ausbauen.

Das ist die Möglichkeit die uns der Kapitalismus bietet - mit harter Arbeit, Fleiß und dem Bestreben etwas gut zu machen, sein eigenes Leben und das Leben seiner Familie zu verbessern. Wir dürfen nicht vergessen: Der Kapitalismus bietet uns allen die Chance selbst kapitalistisch - also investierend - aktiv zu werden und von den entstehenden Produktivitätssteigerungen zu profitieren.




Montag, 13. April 2015

Interview: Roland Tichy - zum Zustand der deutschen Wirtschaft

Interview mit Roland Tichy zur Verfassung der deutschen Wirtschaft und der deutschen Politik. Tichy schafft es mit klarer Sprache die Missstände zu benennen die Deutschland unter seinen Möglichkeiten halten. 

Ist es in Deutschland schon soweit, dass die Wirtschaft nur geduldet wird? Die Regierung in Deutschland lebt in einem Raumschiff ohne Bezug zur realen Wirtschaft. Sie leben von Umverteilung ohne Mehrwert zu schaffen. Trotz der Hindernisse die der Wirtschaft durch Regulierung und Besteuerung in den Weg gestellt werden entwickelt sich durch das Internet eine neue Möglichkeit alte, träge Strukturen aufzubrechen und neuen Wettbewerb in Deutschland zu entfachen - zum Wohle der Bürger.




Mehr von den auftretenden Personen:

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Roland Tichy ist ein deutscher Journalist. Zudem ist er Vorstandsvorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung und Mitglied im Kuratorium der Johanna-Quandt-Stiftung sowie der Friedrich-August-von-Hayek-Stiftung.

Tichy studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität München und schloss dieses als Diplom-Volkswirt ab. Von 1983 bis 1985 war er Mitarbeiter im Planungsstab des Bundeskanzleramtes und arbeitete anschließend als Bonner Korrespondent für die Wirtschaftswoche. Er war stellvertretender Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins Capital 1990/91 gehörte Roland Tichy zum Beraterstab des Rundfunkbeauftragten (Rudolf Mühlfenzl) in der „Einrichtung“ (Hörfunk und Fernsehen der DDR) und hatte damit maßgeblichen Einfluss auf die Reform der deutschen Rundfunklandschaft.

Von 1991 bis 1995 war er Chefredakteur des Unternehmermagazins Impulse . Er war erster und einziger Chefredakteur der Zeitschrift Die Telebörse, die von Januar 2000 bis Juni 2002 erschien. Von 2002 bis 2007 war Tichy als Chefredakteur des Magazins Euro tätig.

Im Jahr 2004 wurde Tichy durch seine Teilnahme an der RTL-Karriereshow Big Boss mit Reiner Calmund einem breiteren Publikum bekannt. Von 2007 bis September 2014 war er Chefredakteur des Magazins Wirtschaftswoche. Im Juni 2014 wurde Roland Tichy zum Vorsitzenden der Ludwig-Erhard-Stiftung gewählt.Tichy befürwortet die uneingeschränkte Umsetzung des transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP.

2008 wurde er mit dem Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik ausgezeichnet. Als Begründung wurden mehrere Meinungsbeiträge von ihm genannt, unter anderem seine Kritiken an Sozialstaat, Bankempfehlungen, Verteilungspolitik und Konjunkturprogrammen.

Sonntag, 12. April 2015

Verschobene Zinswende - Aktien, Euro, Gold

Anleger treibt derzeit vor allem eine Frage um: Wann erhöht die US-Notenbank Fed die ultraniedrigen Zinsen? Es folgt ein Überblick über die wahrscheinlichen Markt-Reaktionen, sollte die Zinswende in den USA später als erwartet eingeleitet werden. 

Anleger treibt derzeit vor allem eine Frage um: Wann erhöht die US-Notenbank die Zinsen? Viele Börsianer rechneten bislang im Sommer mit einem ersten Schritt. Es wäre die erste Zinserhöhung seit fast zehn Jahren. Der zuletzt überraschend schwach ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht nährte jedoch Zweifel am Zeitplan. Die Fed macht eine Zinserhöhung vor allem von einer nachhaltigen Erholung der US-Wirtschaft abhängig.

In Abbildung 1 sehen Sie eine historische Entwicklung des US-Zinssatzes. Die Nullzins-Phase ist ein wirtschaftspolitische Novum und die Konsequenzen dieser Politik sind nicht vollständig absehbar. Vor allem die hohe Verschuldung der USA und der meisten anderen Industriestaaten lässt die Frage aufkommen, wie eine höhere Zinslast durch die staatlichen Haushalte gefangen werden soll?

Abb.1 - Von der Federal Reserve festgelegter Zinssatz


KURZER DÄMPFER FÜR DEN DAX 

Verschiebt die US-Notenbank die Zinswende, könnte das der Dax-Rally zumindest kurzfristig einen Dämpfer verpassen, prognostiziert Andreas Paciorek, Analyst bei CMC Markets. "Vor allem, wenn die spätere Zinswende mit schlechten US-Konjunkturdaten begründet wird." Die Aussicht auf eine schwächelnde amerikanische Wirtschaft könnte die Wall Street und in der Folge auch den deutschen Aktienmarkt belasten. Der Experte hält einen Rutsch des Dax bis auf 11.600 Punkte für denkbar - derzeit pendelt der Leitindex um die Marke von 12.000 Zählern. Grundsätzlich sieht Paciorek den Dax aber durch den schwächeren Euro gut abgesichert.

Es bleibt auch anzumerken, dass die Aktienmärkte in neuerer Zeit positiv auf negative Meldungen reagiert haben, da die Zinsen somit auf niedrigem Niveau bestätigt wurden. Es wäre fraglich ob eine Verschiebung der Zinswende nicht auch diesmal wieder positiv an den Aktienmärkten aufgenommen werden würde. Das Geld muss irgendwo hin um Rendite abzuwerfen - wenn die Zinsen das nicht können bleibt als einzige Alternative der Aktienmarkt. Immobilien und Anleihen sind zu teuer bzw. ihre Rendite zu niedrig und ausgefallene Märkte wie Kunst, Whisky oder Oldtimer viel zu klein um die Masse an Dollars internationaler Investoren aufnehmen zu können.

Der deutsche Leitindex gilt als Profiteur der anhaltenden Euro -Schwäche, da ein niedriger Euro-Kurs die Geschäfte der deutschen Exportindustrie ankurbelt. Seit Jahresbeginn hat der Dax, der zuletzt von einem Rekord zum nächsten eilte, mehr als 20 Prozent gewonnen. Aus Sicht von Commerzbank-Analyst Thorsten Grisse dürfte auch die Aufwertung des Euro im Falle einer späteren US-Zinserhöhung dem Leitindex keine größeren Probleme bereiten. Die Gemeinschaftswährung sei so stark gefallen, dass die Unternehmen selbst bei einem wieder festeren Euro noch immer einen guten Puffer zu den Euro-Prognosen hätten, mit denen sie selbst kalkulierten. "Insofern sind die Erwartungen für die Ergebnisse europäischer Konzerne weiter sehr vielversprechend."


EURO KÖNNTE PROFITIEREN - ABER VERMUTLICH NUR KURZFRISTIG 

Bei einer späteren Zinserhöhung in den USA wird der Dollar erst einmal das Nachsehen haben. Der Euro könnte bis auf 1,13 Dollar zulegen, erklärt Analyst Sebastian Sachs von der Metzler Bank. Derzeit notiert er bei rund 1,0750 Dollar. Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann hält vor allem Tempo und Ausmaß der US-Zinswende für die Kursentwicklung beim Dollar entscheidend. "Der Zeitpunkt der Zinserhöhung ist nicht so wichtig, wie die Frage, in welchen Schritten und bis wohin die Fed die Zinsen erhöht." Eine hohe Verzinsung macht die US-Währung für Investoren attraktiver.

Sollte die Fed vorerst ganz auf die Zinswende verzichten, könnte der Euro Leuchtmann zufolge bis auf 1,20 oder 1,30 Dollar klettern. Aufgrund der ultralockeren Geldpolitik in der Euro-Zone sei es allerdings unwahrscheinlich, dass die Gemeinschaftswährung dann ihr Hoch vom Mai 2014 von knapp 1,40 Dollar erreiche.

Die EZB will bis September 2016 monatlich für 60 Milliarden Euro Wertpapiere kaufen. Dagegen hat die Fed die Notenpresse schon im vorigen Jahr gestoppt. Dies hat den Dollar seit Mai 2014 in der Spitze über 20 Prozent in die Höhe katapultiert.





GOLDPREIS IM AUFWIND

Eine spätere US-Zinswende sollte die Gold -Kurse kurzfristig nach oben treiben, denn Investoren dürften sich das Edelmetall zur Absicherung gegen Inflationsgefahren ins Depot legen. Zudem macht eine fallende US-Währung das gelbe Metall für Anleger aus dem Nicht-Dollar-Raum günstiger. Denn Gold wird an den internationalen Rohstoffmärkten in Dollar gehandelt.

Derzeit liegt der Preis für das Edelmetall bei rund 1200 Dollar je Feinunze. Im September 2011 - auf dem Höhepunkt der Finanz- und Euro-Schuldenkrisen - hatte die Feinunze mit 1920,30 Dollar ein Rekordhoch aufgestellt.

REUTERS

Samstag, 28. März 2015

Wird es an den Aktienmärkten zu einer Korrektur kommen?

CHARTTECHNISCHE ANALYSE

In diesem Trading-Video sehen Sie die Markteinschätzung und Chartanalyse zum DAX-Future, Eurostoxx 50, SMI-Index, Bund-Future, S&P 500, Nasdaq 100, Dow Jones Index, EUR/USD, USD/CHF, SMI-Index, Gold, Silber, XAU-Index und Rohöl von Karsten Kagel.

Insbesondere wird der Frage nachgegangen, ob es an den Aktienmärkten in den nächsten Wochen zu einer Korrektur kommen wird.







Samstag, 20. Dezember 2014

Sanktionen gegen Russland und ihre fatalen Folgen

Die Wirtschafts- und Finanzsanktionen gegenüber Russland richten große Schäden an. Doch der Westen scheint mit ihnen nicht den politischen Zielen, die er erreichen will, näherzukommen.

Von Prof. Dr. Thorsten Polleit

Es ist unklar, ob es allein der fallende Ölpreis und die Handelsrestriktionen sind, die Russland unter Druck setzen. Vermutlich bringen vor allem die finanziellen Sanktionen, die die USA erlassen haben, das Land in arge Bedrängnis.(1) 

Im Zuge ihrer "Financial Warfare" haben die USA russische Banken und Firmen zusehends von den internationalen Aktienmärkten abgeschnitten, vor allem von den ausländischen Kreditmärkten: Eine Reihe von russischen Unternehmen erhält keine langfristigen Kredite mehr und ist zusehends auf kurzfristige Kredite (30- Tage-Laufzeit) angewiesen. Dies wiederum dürfte zusätzlich zu den verringerten Öleinnahmen die finanzielle Position Russlands und das dem Land entgegengebrachte Vertrauen schwächen und letztlich zu Kapitalflucht führen.

Russische Unternehmen haben derzeit Auslandschulden in Höhe von etwa 422,4 Mrd. US-Dollar, Banken in Höhe von 192,0 Mrd. US-Dollar. Dem standen Ende November frei verfügbare Fremdwährungsreserven des Staates in Höhe von gut 360 Mrd. US-Dollar (ohne Goldbestände) zur Verfügung. Mitte 2014 waren 60 Prozent aller Auslandsschulden in US-Dollar denominiert, 11 Prozent in Euro und 26 Prozent in Rubel. 

Sollten russische Banken und Unternehmen nicht in der Lage sein, ihre Auslandsverbindlichkeit wie vereinbart zu zahlen, drohen den Haltern der von ihnen emittierten Papiere - Kapitalsammelstellen in Europa und den USA und anderswo auf der Welt - Verluste, die letztlich die Sparer zu tragen haben. Zudem wären Vertrauensverluste in den weltweiten Kreditmärkten denkbar, die sich zu einer "Kreditkrise" auswachsen könnten. Kapital würde zusehends aus den 'Emerging Markets‘ abgezogen und Kreditfinanzierungsprobleme in den betroffenen Ländern auslösen; zu denken wäre etwa an die Türkei, Brasilien und Südafrika. 

Nicht zuletzt hängt Europas Energieversorgung an Russland. Für Deutschland etwa sind Öl und Gas die Hauptenergieträger mit einem Anteil von zusammen 55 Prozent am Gesamtenergieverbrauch. Russland ist Hauptlieferant und stellt jeweils etwa ein Drittel des Bedarfs bereit. Lieferstörungen können weitreichende Wirtschaftsschäden nach sich ziehen, gerade natürlich für die deutsche Wirtschaft.

In einer eng vernetzten internationalen Arbeitsteilung ist das wirtschaftliche Wohlergehen eines jeden Teilnehmers im Interesse aller. Die Wirtschaftssanktionen, die gegen Russland erlassen werden, führen zu einer Schädigung aller Beteiligten: Der russischen Bevölkerung gehen Arbeitsplätze und Einkommen verloren, ihre Versorgungslage verschlechtert sich. In Europa, insbesondere Deutschland, werden ebenfalls Produktion und Beschäftigung leiden, und zudem wird die Handlungsfreiheit der Konsumenten und Unternehmen eingeschränkt. 

Für den Westen könnte es schwierig werden, seine Sanktionen gegenüber Russland aufrecht zu erhalten, sollten sie zu noch größerer Not in der russischen Bevölkerung führen. Es wäre dann sogar denkbar, dass die Sanktionen aufgehoben werden (müssen), ohne dass es zu Konzessionen von russischer Seite kommt. Die ökonomische Einsicht würde obsiegen: Wirtschafts- und Finanzsanktionen sind nicht geeignet, um politische Ziele durchzusetzen und führen in jedem Fall zur Schädigung aller Betroffenen.

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Armut oft selbstverschuldet?

Die Armen werden ärmer, die Reichen werden immer wohlhabender. Statt darüber zu jammern, sollten sich Mittel- und Unterschicht Finanzwissen aneignen, rät US-Autor und Selfmade-Millionär Robert Kiyosaki.

Robert Kiyosaki kennt die Zahlen. Er betet sie herunter und er fürchtet sie. Die reichsten 20 Prozent der US-Amerikaner besitzen fast 85 Prozent des privaten Gesamtvermögens. Auf ihren Konten und Depots liegen unglaubliche 91 Prozent des Finanzvermögens. Kiyosaki, Selfmade-Millionär und Bestseller-Autor, sieht in den Zahlen eine Gefahr: für die Gesellschaft, für die weniger Wohlhabenden – und für sein eigenes Geld. Nichts bedroht sein Vermögen mehr, als Unruhen und Verwerfungen.

Doch statt auf den Staat zu schimpfen oder auf Unternehmen, die ihre Mitarbeiter ausbeuten und ihre Steuerlast künstlich drücken, nimmt er die Unter- und Mittelschicht in die Pflicht. Sie seien an ihrer Misere selbst schuld, da sie nicht mit Geld umgehen könnten.

„Reiche Menschen erwerben Vermögenswerte. Die Armen und die Angehörigen der Mittelschicht schaffen Verbindlichkeiten an, aber sie denken, dass es sich um Vermögenswerte handelt“, bemängelt Kiyosaki im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online. „Sie sind schlicht unwissend.“

Während sich die Mehrheit der Amerikaner von Kredit zu Kredit hangele und immer in finanziellen Schwierigkeiten lebe - unabhängig davon, ob sie eine Gehaltserhöhung bekommen oder Geld erben -, würden die Reichen das Geld für sich arbeiten lassen und der Masse immer weiter davonziehen, glaubt der Autor.

In der Neuauflage seines Bestsellers „Rich Dad, Poor Dad“ beschreibt der US-Amerikaner mit japanischen Wurzeln, wie ihn zwei Personen geprägt haben: sein eigener Vater, ein gut bezahlter Lehrer mit Doktortitel, der immer Geldsorgen hatte. Und der Vater seines besten Freundes, ein Unternehmer, der in der achten Klasse die Schule abgebrochen hatte – und nie in finanziellen Schwierigkeiten steckte. Von Kindesbeinen an, sog Kiyosaki das Wissen seines reichen Mentors, dem „rich dad“, auf.

Kiyosaki spricht aus Erfahrung, wenn er sagt: „Der Umgang mit Geld wird zu Hause gelehrt, nicht in der Schule. Das ist einer der Gründe, warum die Reichen immer reicher werden.“ Die Lehrer würden sich darauf konzentrieren, akademisches Wissen zu vermitteln, kein finanzielles Wissen. Selbst Wirtschaftsschulen würden nur Angestellte ausbilden, „die gescheite Erbsenzähler sind“.

So zitiert der Autor den Vater seines besten Freundes – ohne sich zu distanzieren. Generell gilt: Wer will, kann eine gehörige Portion Arroganz der Wohlhabenden aus dem Buch herauslesen. So spricht der „reiche Vater“ wiederholt abschätzig von seiner Umgebung: sei es von den eigenen Angestellten, sei es von Baseball spielenden Jung-Erwachsenen im Park. „Sie arbeiten sehr fleißig für wenig Geld, klammern sich an die Illusion eines sicheren Jobs, freuen sich auf ihren Jahresurlaub und auf ihre mickrige Rente nach 45 Arbeitsjahren.“

Oder auch: „Die Hauptursache für Armut und finanzielle Schwierigkeiten ist Angst und Unwissenheit, nicht die Wirtschaft, der Staat oder die Reichen.“

Das allerdings sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kiyosaki wichtige Denkansätze liefert und richtigerweise den Unterschied zwischen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten aufzeigt.


Lieber eine Aktie kaufen, als ein iPhone 

 Sechs Regeln hat der Autor in seinem Buch zusammengestellt, die helfen sollen, Reichtum aufzubauen. Die wichtigste ist fraglos die zuerst angefügte Regel, um die sich alles Weitere dreht: „Man muss den Unterschied zwischen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten kennen und Vermögenswerte kaufen.“

In einfachen Schaubildern erklärt Kiyosaki, dass ein Vermögenswert etwas ist, „das Geld in meine Tasche bringt“. Im Unterschied dazu ist eine Verbindlichkeit etwas, „dass mir Geld aus der Tasche zieht“. Die einfache Regel: Wer reich werden wolle, müsse sein Leben lang einfach Vermögenswerte kaufen.

„Die Menschen arbeiten nicht zu wenig, sie kaufen Verbindlichkeiten statt Vermögenswerte“, glaubt Kiyosaki zu wissen. Statt in Aktien, Anleihen oder Immobilien zu investieren, würde die breite Masse lieber ein neues iPhone kaufen oder einen Neuwagen, der mit dem ersten gefahrenen Kilometer schon einen Großteil seines Werts verliert.

„Reiche kaufen ihren ersten Luxusartikel erst dann, wenn sie wirklich Geld übrig haben“, sagt Kiyosaki. Die Mittelschicht hingegen übernehme sich, indem sie reich erscheinen will. „Echter Luxus ist eine Belohnung für eine Anlage in einen echten Vermögenswert und seine Entwicklung.“

Auch wenn Allgemeinplätze falsch sind: Den Hinweis, sich früh mit den Themen Geldanlage und Vorsorge zu beschäftigen, ist sicher richtig. Dass nicht einmal jeder siebte Deutsche Aktien oder Fonds besitzt, hilft sicher nicht bei dem Versuch, ein Vermögen aufzubauen – und sei es nur ein klitzekleines.

So wie Kiyosaki, der sich von Gewinn zu Gewinn hangelte. Angefangen mit einer vermieteten Kleinwohnung, kaufte er später Häuser, Wohnkomplexe und Villen. 1994 hat sich der Autor im Alter von 47 Jahren von der Arbeit zurückgezogen. Er habe ein so großes Vermögen, dass er allein von den Zinsen – die höher sind als die Inflation – leben könne. Seine Frau habe bereits mit 37 Jahren aufgehört, regelmäßig zu arbeiten. Beide würden nur noch dann arbeiten, wenn ihnen danach ist.

Apropos Immobilien: Kiyosaki unterstreicht, dass ein Haus per definitionem kein Vermögenswert sein, sondern eine Verbindlichkeit. „Es zieht Geld aus der Tasche.“ Dabei geht es dem Autoren nicht um die klassischen Probleme, dass eine Grundsteuer angehoben und das Budget springen könnte oder das ein Verlust droht, wenn sich Rahmenbedingungen ändern und das Haus an Wert verliert.

Nein, der Autor gibt vielmehr zu denken, dass sich junge Leute durch einen Hauskauf früh für einen Weg entscheiden und sich damit Optionen nehmen. Die Menschen hätten es leichter, sagt Kiyosaki, wenn sie schon früh mehr Geld investieren würden, ihre Vermögenswerte würden wachsen und mit ihnen der Gewinn.

Es ist nicht so, dass der Selfmade-Millionär von einem Hauskauf abrät. Vielmehr will er aufzeigen, wie die richtige Herangehensweise ist. Wer ein größeres Haus will, sollte zunächst Vermögenswerte kaufen, die Cashflow generieren, um das Haus zu bezahlen – als sich gleich in das neue Abenteuer zu stürzen. Sonst drohe man, in einem Hamsterrad gefangen zu werden.

Kiyosaki verweist auf seinen Vater, dessen Einnahmen immer Schritt gehalten hätten mit dessen Ausgaben. So habe er nie in Vermögenswerte investieren können. „Im Ergebnis sind seine Verbindlichkeiten, wie Hypothek und Kreditkartenschulden, höher als seine Vermögenswerte.“ Man müsse das Geld für sich arbeiten lassen, empfiehlt Kiyosaki unter dem Strich. Wer konkretere Anlageempfehlungen sucht, wird enttäuscht. Recht vage spricht der US-Amerikaner von kleinen Aktiengesellschaften und Immobiliengeschäften, die sein Interessen wecken würden.

In einem zweiten Buch, „Cashflow Quadrant“ erweitert Kiyosaki seine Ausführungen um den Faktor Zeit. Der Selfmade-Millionär teilt die arbeitende Bevölkerung in vier Gruppen ein: die Arbeitnehmer und die Selbständigen, auf der linken Seite einer zweispaltigen Tabelle.

Rechts die Geschäftsinhaber und die Investoren. Wer links steht, verkauft seine Zeit. An seinen Arbeitgeber oder an seine Firma. Die rechte Hälfte hingegen verwaltet die Zeit anderer Leute. Ihr Einkommen steigern die Angestellten und Selbständigen nur durch eine Ausweitung ihrer Arbeit. Doch ihre Entwicklungsmöglichkeiten sind begrenzt, der Tag hat nun einmal nur 24 Stunden. 

Unternehmen und Investoren hingegen arbeiten mit der Zeit anderer Leute. Der Geschäftsführer etwa kann sich einfach zusätzlich Zeit – in Form von neuen Angestellten – kaufen.

Kiyosaki empfiehlt seinen Lesern, darüber nachzudenken, die Seiten zu wechseln. Weg vom Arbeitnehmer, hin zum Unternehmer oder Investor. Nur so könne ein jeder das Zeit- und Geldproblem langfristig lösen.

So einfach, wie Kiyosaki zu vermitteln sucht, ist die Lage freilich nicht. Nicht jeder eignet sich zum Geschäftsmann, nicht jeder hat den Mut, sein Geld spekulativ anzulegen. Und doch: Ein bisschen mehr Gründergeist würde man den Deutschen wünschen. Und vielen Bürgern die Erkenntnis, dass ein bisschen Investor in jedem stecken sollte.

Niedrigzinsen, ein Arbeitsmarkt der perspektivisch durch Robotik und weiterer Digitalisierung vor einem Wandel steht, und globale politische Unsicherheiten verlangen neue Antworten vom Bürger, der sich längst nicht mehr auf sein Sparbuch verlassen kann. „Lernen Sie mit Risiken umzugehen, statt sie zu vermeiden“, rät Kiyosaki.

Erschienen in der WirtschaftsWoche (Dezember 2014)


Kommentar von Freiensteiner:

Für viele Menschen sieht die Realität ihrer Vermögensverhältnisse derart schlecht aus, dass diese Empfehlungen und Gedanken wie Hohn erscheinen. Natürlich ist es nicht so, dass die Politik und die Konzerne, welche die Politik beeinflussen keine Schuld daran haben, dass die Möglichkeiten stark eingeschränkt sind. Aber was nützt es nur darüber zu jammern. Man kann und sollte immer versuchen die Situation in der man sich befindet zum besseren zu wenden, jedoch muss man die Möglichkeiten nutzen die sich einem dennoch bieten.

Und genau hier erkennt der Autor Kiyosaki einen absolut richtigen Punkt. Die Mehrheit der Bürger investieren nicht sondern konsumieren lediglich und das sogar auf Kredit. Natürlich ist dies von der Politik forciert durch niedrige Zinsen. Es ist aber dennoch möglich sein Leben an die tatsächlichen Verhältnisse anzupassen und auf Luxus zu verzichten, mit dem Ziel das Kapital profitorientiert anzulegen.

Die Möglichkeiten die jeder Einzelne dazu vorfindet sind zahlreich und einfach umzusetzen. Wissen über Aktien und Geldanlage kann online und aus Büchern oder Zeitschriften gelernt werden. Ein paar Tage investiert in gute Bücher und Artikel sind vermutlich bares Geld wert.

Wichtig ist, dass Sie lieber Leser anfangen darüber nachzudenken, ob Sie nicht zuviele Konsumentscheidungen treffen und nicht tatsächlich den Konsum in Investitionen ummünzen können. Wer nur versucht reich zu erscheinen und den dazu nötigen Konsum aus ständiger Arbeit zu finanzieren statt aus Kapitalrenditen, wird sein Lebtag das Hamsterrad nicht mehr verlassen.

Aber zum Glück gibt es einen Blog wie diesen hier, um Ihnen das Handwerkszeug zu vermitteln.



Mittwoch, 19. November 2014

Geldsozialismus - Das Frank Schäffler Interview

Das folgende Interview ist äußerst lesenswert, es zeichnet eine düstere Vorahnung des ehemaligen FDP-Bundestagsageordneten Frank Schäffler in Hinblick auf das Euro-Experiment der selbsternannten Führer Europas. Der mündige Bürger muss darüber nachdenken um fähig zu seine (rettende) Entscheidungen zu treffen. 

FOCUS-MONEY: Haben Sie Ihr Geld schon in Sicherheit gebracht, Herr Schäffler?

Frank Schäffler: Zumindest habe ich vorgesorgt und es nicht in langfristigen Verträgen stecken.
MONEY: Anfang November hat die Skatbank tatsächlich Strafzinsen erhoben. Haben Sie noch Geld auf der Bank?
Schäffler: Ich habe noch Geld auf der Bank liegen, der Staat zwingt uns ja ohnehin dazu, viele Zahlungen über Bankkonten abzuwickeln.
MONEY: Wie viel Zinsen bekommen Sie im Moment?
Schäffler: Für das Festgeld wohl gar nichts mehr, ich bin mir nicht sicher. Ist mir aber auch egal. Ich will nicht darauf rumreiten, ob es 0,1 oder 0,5 Prozent gibt. Wir sind alle im System gefangen und Opfer der Niedrigzinsdrückerei der Notenbanken.
MONEY: Und damit sollen wir uns abfinden?
Schäffler: Nein, so kann es nicht weitergehen. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, pervertiert die Marktwirtschaft, weil er den Zins kaputt macht.
MONEY: Was machen Draghi und Co. konkret falsch?
Schäffler: Sie wollen die Konjunktur steuern und beeinflussen damit Investitonsentscheidungen. Viele Teilnehmer wären eigentlich schon vom Markt verschwunden, wurden aber künstlich am Leben gehalten. Andere treibt Draghi durch die Magerzinsen in Risiken, die sie unter normalen Umständen nicht eingehen würden. Die Notenbanken versuchen uns zu erziehen. Das ist Geldsozialismus, wir werden gesteuert wie in einer Planwirtschaft.
MONEY: Sie schreiben in Ihrem neuen Buch „Nicht mit unserem Geld“ über der Krise unseres Geldsystems. Wer hat die Sparer verraten?
Schäffler: Im Euroraum Mario Draghi und sein Vorgänger Jean-Claude Trichet. Und Ex-Fed-Chef Ben Bernanke in Amerika. Ganz klar: Die Notenbanken haben alle angefixt. Ob es die Staaten sind mit ihrer Geldausgeberei, die Unternehmen mit ihren riskanten Übernahmen, oder die Immobilien-Investoren, die auf immer weiter steigende Preise gesetzt haben, oder Aktionäre, die auf Kursgewinne spekulieren.
MONEY: Sie schreiben, dass sich der von Staat und Notenbank festgesetzte Zins früher oder später wieder dem Marktzins annähert. Worin liegt also das Problem?
Schäffler: Weil sich eben plötzlich Investitionen lohnen, die sich sonst nie gelohnt hätten. Menschen gehen dadurch mehr Risiken ein. Und dadurch entstehen Blasen im System, die irgendwann platzen. Wenn Investoren merken, dass alles nur auf Sand gebaut ist, kommt es zum Crash. Nicht umsonst häufen sich die  Korrekturen an den Aktienmärkten. Das gab es so in den 60er, 70er und 80er Jahren nicht. Das ist der Fluch des billigen Geldes.
MONEY: Aber viele Experten verweisen doch darauf, dass wir das billige Geld brauchen, um die Wirtschaft in den Pleiteländern in Gang zu bringen …
Schäffler: Die haben leider Recht. So pervers ist die Situation schon: Wenn es keine Kredite mehr gibt, bricht das Kartenhaus zusammen. Und deswegen produzieren wir ständig neue Schulden. Wir brauchen sie, um den Kollaps zu verhindern.
MONEY: Aber müssen wir das nicht in Kauf nehmen, um unser Geld zu retten?
Schäffler: Warum? Sparer und Besitzer von Lebensversicherungen werden durch das billige Geld enteignet, weil sie auf die klassischen Anlageformen angewiesen sind und nicht so einfach diversifizieren können. Und das ist die stillschweigende Übereinkunft der Retter: Den Preis für die Bankenrettung und die Staatsschuldenkrise soll der kleine Mann bezahlen.
MONEY: Aber würde es uns sonst nicht noch viel schlimmer treffen?
Schäffler: Nein, es gibt immer einen Ausweg. Die Alternativlosigkeit ist leider eine Mär, die uns erzählt wird. Je länger wir diese Schuldenwirtschaft fortsetzen, umso schlimmer wird es. Die Schuldenberge wachsen und die Korrektur wird schließlich noch härter ausfallen. Es bleibt uns zwar nur die Wahl zwischen Pest und Cholera, aber die Cholera kann man wenigstens überleben.
MONEY: Die Bürger sollten dem Geldsystem also nicht mehr vertrauen?
Schäffler: Sie hätten das Vertrauen schon viel früher verlieren müssen, immerhin sitzt selbst die Deutsche Bundesbank auf Tonnen von Gold. Zumindest behauptet sie das, ob sie es wirklich tut, dafür muss sie den Nachweis noch erbringen. Aber es zeigt leider, dass die Notenbanken selbst nicht so richtig ans System glauben und den Notfallanker parat liegen haben.
MONEY: Welche Fehler haben denn die deutschen Politiker gemacht?
Schäffler: Sie haben sich ohne Not in die Schuldenkrise Europas hineinziehen lassen. Als im Mai 2010 die erste Griechenland-Rettung anstand, haben sie sich nicht auf unser Grundgesetz und die Europäischen Verträge besinnt. Die Verträge lassen es ja nicht zu, dass wir für die Schulden anderer Länder haften.
MONEY:  Musste Griechenland nicht im Sinne der gesamten Eurozone gerettet werden?
Schäffler: Nein, mit einem kollektiven Rechtsbruch kann Europa als Gemeinschaft auch nicht langfristig überleben.
MONEY:  Wie haben Sie als Parlamentarier die Veränderung der Parteien während der Euro-Krise erlebt?
Schäffler: Sie hatten nie das große Ganze im Blick, sondern nur die Tagespolitik. Beispielsweise stand beim ersten Hilfspaket für Griechenland die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Fokus. Deshalb ging es nur darum die Mehrheit der schwarz-gelben Koalition zu sichern.
MONEY: Warum folgen nur alle der „Alternativlosigkeit“ der Kanzlerin?
Schäffler: Weil es natürlich bequem ist, nicht an übermorgen zu denken und die Probleme einfach beiseite zu schieben. Auch in der Gesellschaft folgen viele dieser Politik. Es profitieren leider viele von den billigen Zinsen, weil sie selber Schuldner sind und einen Kredit zurückzahlen müssen. Auch der Finanzminister profitiert davon und viele Kämmerer. Wenn alle Marktzinsen bezahlen müssten, dann wäre es relativ schnell vorbei in vielen Kommunen. Auch die Exportindustrie schlägt Kapital aus der Niedrigzinsphase. Und die Bankenbranche sowieso. Vielen ist das Hemd einfach näher als der Rock.
MONEY: Politiker könnten eingreifen, aber sie fühlen sich mehr der Partei oder einer Mainstream-Meinung verpflichtet als dem Wohl des Volkes. Beispielsweise wird der Chef des ESM auch nicht einmal demokratisch gewählt. Haben wir überhaupt noch eine Demokratie?
Schäffler: Natürlich haben wir noch eine Demokratie, aber wir haben eben keine Gegenmacht. Deswegen bin ich ein großer Freund von direkter Demokratie. Beispielsweise bewährt sich das immer wieder in der Schweiz. Das führt dazu, dass sich die parlamentarische Demokratie mehr am Volk orientieren muss.
MONEY: Welche Fehler hat gerade die FDP gemacht? Warum hat Sie beispielsweise Christian Lindner in der Öffentlichkeit als Einzelkämpfer auflaufen lassen?
Schäffler: Die FDP hat eben Reden und Handeln nicht unter einen Hut gebracht. Sie hat ihre Haltung zu Marktwirtschaft und individueller Freiheit in der Tagespoltiik nicht umgesetzt. Das Credo muss heißen: Wer Risiken eingeht, muss auch dafür haften, wenn es schief geht. Dieses Haftungsprinzip haben wir als FDP in der Regierungszeit schleifen lassen. Für die Unglaubwürdigkeit hat uns der Wähler abgestraft. Das galt leider auch für die Energiewende, Steuerreform und Datenschutz.
MONEY: Sie hatten beispielsweise 2010 früh ins Spiel gebracht, dass Griechenland Inseln verkaufen könnte, um sich finanziell zu sanieren. Es gab viel Aufregung, am Ende machten es die Griechen tatsächlich. Haben viele Politiker gar nicht mehr den Mumm, einen kontroversen Vorschlag zu machen?
Schäffler: Politiker wollen beliebt sein bei der Mehrheit. Aber ich glaube, wer bei allen beliebt sein will, macht sich am Ende beliebig. Und das haftet leider vielen Politikern an. Man muss zu seinen Prinzipien stehen und sie im Alltag umsetzen, um glaubwürdig zu bleiben.
MONEY: Sie haben gegen die Griechenland-Hilfen gestimmt und schreiben im Buch, dazu gehöre nicht viel Mut. Warum waren sie trotzdem die Ausnahme?
Schäffler: Weil viele dieses Gefühl nicht kennen. Wenn man es macht, tut es nicht weh, das ist etwas ganz Einfaches. Viele Abgeordnete müssten sich nur trauen.
MONEY: Wie das Beispiel der FDP zeigt, wird Feigheit am Ende bestraft. Ursprünglich gab es einen Beschluss gegen Hilfen für Pleitestaaten. Parteigrößen wie Hirsch und Lambsdorff hatten gewarnt. Warum knickte die Partei trotzdem ein?
Schäffler: Weil uns der Wille zum Regieren näher war als die eigenen Prinzipien. Und das wurde bitter bestraft. Meine Partei muss daraus die Lehren ziehen.
MONEY: Dabei hätte doch gerade die FDP die Umfaller-Rolle vermeiden müssen, oder?
Schäffler: Genau. Wir haben immer wieder die Nähe zur Macht gesucht. Die Botschaften müssen jetzt klarer werden und es darf keine Kompromisse mehr geben. Wir müssen Teil einer liberalen Bewegung in Deutschland werden und Bürger für Freiheit begeistern. Dafür muss man nicht regieren, das ist möglicherweise sogar schädlich.
MONEY: Sie haben im Bundestag gegen die Schulden-Union Reden gehalten, mit Mitstreitern Aufsätze in Tageszeitungen veröffentlicht und auf Parteitagen gekämpft. Aber vergeblich. Glauben Sie noch ans System?
Schäffler: Ich bin da gar nicht so pessimistisch, ich habe als Abgeordneter mehr bewegt als viele andere. Den Eurokurs habe ich zwar nicht verändert, aber wahrscheinlich wäre es sonst noch schlimmer gekommen. Beispielsweise wollte ich die Rechte der Abgeordneten stärken, dass sie gegen den Willen der eigenen Fraktion sprechen dürfen. Und die Mitgliederbefragung innerhalb der FDP war ein Erfolg, es haben nur 2000 Stimmen gefehlt, dann wäre die Rettungspoltik möglicherweise anders gelaufen.
MONEY: Welches Monster haben wir durch die Rettungspolitik heraufbeschworen? Was droht Sparern und Steuerzahlern noch alles?
Schäffler: Die Enteignung und mehr Steuern. Generell mehr Staat und damit auch mehr Überwachung. Der Staat spioniert immer mehr unser Vermögen aus, schaut in unsere Konten. Er gängelt uns immer stärker.
MONEY: Sie schreiben vom „vorläufigen aber nicht endgültigen Höhepunkt der Fehlentwicklung des Geldwesens“. Was passiert, wenn wir den endültigen erreichen?
Schäffler: Wie bei jedem Fiat-Währungssystem ist es dann irgendwann zu Ende. Die Währungen in jüngster Zeit haben ja immer nur für eine bestimmte Dauer existiert. Wenn wir die Schuldenwirtschaft fortsetzen, immer mehr Geld drucken, dann wird auch der Euro zerbrechen.
MONEY: Hayek spricht vom „Weg zur Knechtschaft“. Die Manipulation des Geldwertes und des Zinses zerstöre eine freie Gesellschaft. Wovor fürchten Sie sich?
Schäffler: Vor einem totalitären System. Unser Währungssystem wird noch nicht morgen kollabieren, aber der Staat wird sich noch stärker einmischen. Die Folgen: Die Banken werden noch mächtiger, die Großindustrie noch größer und auch noch einflussreicher auf die Politik. Durch die Interventionsspirale entwickelt sich die Wirtschaft zu einer großen Kungelei.
MONEY: Auf einen vernünftigen Zinseszins-Effekt brauchen Sparer ohnehin nicht mehr hoffen. Wie sollen wir noch Altersvorsorge und Rente stabil halten?
Schäffler: Die Nullzinsen bringen die kapitalgedeckte Altersvorsorge und die private Krankenversicherung ernsthaft in Gefahr. Ohne Zinseszins-Effekt funktioniert das Sytem nicht. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
MONEY: Wie soll man Bürgern bei Negativzinsen überhaupt noch das Sparen schmackhaft machen?
Schäffler: Das ist ein großes Problem. Eine ganze Generation wächst nun auf mit der Erkenntnis, sparen lohnt sich nicht mehr. Es gilt als unsexy und doof. Das muss uns Sorgen bereiten.
MONEY: Aber müssen wir nicht mehr Geld ausgeben, um die Wirtschaft anzukurbeln?
Schäffler: Genau diese Anreize will Herr Draghi ja setzen. Auch Politiker fordern mehr Konsum,  als wäre das ein Selbstzweck. Solche Kassandrarufe halte ich für gefährlich und großen Blödsinn. Wir dürfen nicht zu einer hemmungslosen Konsumgesellschaft verkommen, bis der Karren endgültig vor die Wand fährt. Denn es ist noch nie eine Gesellschaft auf Dauer zu Wohlstand gekommen, indem sie möglichst viel ausgegeben und möglichst wenig vorgesorgt hat. Das ist eine absurde Vorstellung. Nur sie wird uns als normal eingebläut. Das zeigt, wie pervers das aktuelle System daherkommt.
MONEY: Befürchten Sie etwa, dass das Zinstief am Ende die Mentalität eines ganzen Volkes verändert?
Schäffler: Natürlich. In lateineuropäischen Ländern sind die Menschen mit hoher Inflation aufgewachsen. Der Staat gilt als korrupt und viele sehen es nicht ein, dann auch noch Steuern zu zahlen. Diese Mentalitiät hat beispielsweise auch Griechenland ruiniert.
MONEY: Wie bringen Sie Ihren Kindern das Sparen bei, wenn sie heute 100 Euro zur Bank bringen und 99 Euro in einem Jahr zurückkriegen? Sagen die dann nicht, Papa ich bin doch nicht blöd?
Schäffler: Meine Kinder sind zwar noch recht klein und kriegen nichts von den Zinsen mit. Aber ich versuche natürlich, das Sparen oder die Illusion des Sparens aufrecht zu erhalten.
MONEY: Sie schreiben in Ihrem Buch von paradiesischen Zuständen, weil Geld nichts mehr kostet. Beschwören die Notenbanken immer mehr Crashs an den Märkten herauf?
Schäffler: Klar, das billige Geld ist die Ursache für die Crashs an den Aktien- und Immobilienmärkten. Wir befinden uns ja grade wieder in einer heißen Phase an den Märkten. Es kommt mehr Phantasie hinein, es gibt auch mehr Börsengänge und wir nähern uns historischen Höchstständen. Bei den Anleihenmärkten sieht es ähnlich aus, Investoren scheuen sie inzwischen.
MONEY: Sie sprechen in Ihrem Buch sogar von einer Mega-Blase. Wann platzt sie?
Schäffler: Es ist natürlich unmöglich zu sagen, wann die Blase genau platzt. Es gibt nur Anzeichen dafür, dass wir nah vor der Katastrophe stehen. Das merkt man ja auch an der Nervosität an den Märkten.
MONEY: Vergemeinschaftung der Schulden, die Zinsen werden vom Staat und den Notenbanken diktiert. Sind wir auf dem Weg in den Sozialismus?
Schäffler: Keine Frage, wir haben einen Geldsozialismus. Das liegt daran, dass der Zins praktisch nicht mehr existiert und sich nicht mehr am Markt bildet. Er wird faktisch von den Notenbanken bestimmt.
MONEY: Schlittern wir dadurch in eine Gesellschaft, die keine Eigenverantwortung mehr kennt?
Schäffler: Das ist meine Sorge. Dass die niedrigen Zinsen am Ende zu noch mehr  unmoralischem Verhalten führen. Nicht nur von Banken, sondern eben auch von Immobilienbesitzern und Unternehmen. Die Haftung und die Verantwortung für das Handeln werden immer mehr vom Risiko entkoppelt. Das verändert das Verhalten einer gesamten Gesellschaft.
MONEY: Bei der Euro-Rettung wird ja auch konsequent die Nicht-Beistandsklausel der Europäischen Verträge verletzt. Der Tenor: Egal wer es verbockt, am Ende zahlen alle dafür. Vergiftet das die Stimmung in Europa und gefährdet den europäischen Geist?
Schäffler: Das zerstört sogar die europäische Idee. Sie ist ja eine Idee von Freizügigkeit. Handelsschranken und Grenzen sollen fallen, wir  können überall hinreisen, arbeiten und auch investieren, wo wir wollen. Aber dieser Gedanke wird durch ein zentralistisches Superstaatswesen ersetzt. Das Ziel ist ein europäischer Bundesstaat. Die Eliten in Europa wollen einen neuen Zentralismus schaffen.
MONEY: Genug gewettert, was sollte sich grundsätzlich ändern in Europa?
Schäffler: Zum einen müssen wir die Eurozone so reformieren, dass Risiko und Haftung wieder zusammenfallen. Ein Land muss austreten dürfen aus der Eurozone. Aber es muss auch ausgeschlossen werden, wenn es dauerhaft die Regeln verletzt. Wer Probleme macht, muss den Club verlassen, sonst werden alle mitgerissen. Und zweitens brauchen wir eine marktwirtschaftliche Geldordnung, also Wettbewerb des Geldes. Das Monopolgeld ist das Problem.
MONEY: Was können wir dabei von der „Österreichischen Schule“ lernen?
Schäffler: Worin die Ursache der Krise liegt. Hayek hat bereits gesagt, dass Geld ein Gut sei wie jedes andere und deshalb müsse es auch dem Wettbewerb ausgesetzt werden. Und man muss auch privates Geld wie Bitcoins zulassen und nicht diskreditieren. Damit würde sich sukzessive eine natürliche Geldordnung entwickeln, die unabhängig vom Staat wäre.
MONEY: Aber wir können dem Staat das „Geldmonopol“ doch nicht einfach so wegnehmen?
Schäffler: Warum nicht? Das ginge ganz einfach: Indem wir anderes zulassen. Der Staat muss damit aufhören, das gesetzliche Zahlunsgmittel festzulegen.
MONEY: Aber wie lässt sich das realistisch umsetzen?
Schäffler: Kurzfristig wird es schwierig, weil der Staat daran natürlich kein Interesse hat. Aber ich glaube, der Druck der Märkte wird den Staat mittelbar dazu zwingen. Die Entwicklung von Gold, aber auch von Bitcoins zeigt, dass die Menschen dem etablierten System misstrauen.
MONEY: Brauchen wir wieder einen Goldstandard?
Schäffler: Einen staatlich festgesetzten Goldstandard halte ich für unrealistisch, weil er zu sofortigen Erruptionen an den Märkten führen würde. Er könnte sich nur aus einem Wettbewerb heraus entwickeln.
MONEY: Aber warum sollten wir unser Gold dann möglichst schnell nach Deutschland schaffen? Sie machen sich ja selbst für die Initiative „Holt unser Gold heim!“ stark.
Schäffler: Die Bundesbank sollte zunächst einmal dokumentieren, dass das Gold überhaupt vorhanden ist, sie hat noch nie die Bestände in New York inventarisch geprüft. Es weiß niemand, ob die Barrennummern mit den Listen übereinstimmen und ob das auch tatsächlich unser Gold ist, das da lagert.
MONEY: Sie schreiben, „dass die FDP seit ihrer Gründung nach dem Zweiten Weltkrieg nie eine klassisch-liberale Partei war“. Und mitllerweile ist sie weg vom Fenster. Glauben Sie noch an den Liberalismus?
Schäffler: Definitiv. Ein Viertel der Bevölkerung befürwortet laut Wählerbefragungen die Werte der Freiheit. Ich kämpfe in der FDP dafür, dass wir den Kurs ändern und diese potenziellen Wähler erreichen.
MONEY: Das klingt ja gut. Aber wer soll die FDP retten?
Schäffler: Wir haben viele gute Leute, da werden sich welche finden. Und ich will auch dazu beitragen. Die Hoffnung stirbt auch bei der FDP zuletzt.
MONEY: Nach ihrer Ablehnung der Griechenland-Hilfe wurden sie von Partei-Kollegen geschnitten, aber von vielen Bürgern gelobt. Wie soll die Kluft zwischen Politik und Bürgermeinung geschlossen werden?
Schäffler: Wir brauchen einfach mehr direkte Demokratie. Eine Gegenmacht zur parlamentarischen Demokratie. Und dann müssen die Politiker eben das tun, was sie sagen. Sie dürfen sich nicht von der Macht verführen lassen und die eigene Glaubwürdigkeit dafür verkaufen. Das spüren die Menschen und gehen deshalb auch nicht zur Wahl. Aber das nehmen viele Politiker billigend in Kauf.
MONEY: Apropos direkte Entscheidungen. Wenn Sie Bundeskanzler wären, was würden Sie sofort ändern?
Schäffler: Dann würde ich sofort die direkte Demokratie einführen, nach dem Vorbild der Schweiz.
MONEY: Und wenn Sie die Nachfolge von Mario Draghi antreten müssten?
Schäffler: Ich würde morgen die EZB abschaffen.
MONEY: Meinen Sie das ernst? Was käme dann?
Schäffler: Dann würde ich andere Währungen ermöglichen. In einer Marktwirtschaft wissen wir nicht, was morgen passiert. Aber es würden sich Geld-Emittenten am Markt zeigen und ihre Angebote vorlegen. Und Kunden würde sie nachfragen oder eben nicht. So würde sich die Geldordnung natürlich entwickeln und der Euro würde erst mal weiterbestehen bei einer festen Geldmenge. Und dafür brauchen wir keine EZB.
Das Interview erschien zuerst in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift “Focus Money”, Nr. 48. Das Interview führte Mario Lochner

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